Menschen vor der Kirche in Torri del Benaco

Tedesco, tedesco

Eine Woche im Rhythmus des kleinen Ortes Torri del Benaco. Wir essen Cornetti und trinken Espresso Macchiato. Über eine Woche im August.
0 Shares
0
0
0

Eine Woche im August in Torri del Benaco

Wir verlassen München an einem heißen und schwülen Sommertag mit dem Zug Richtung Süden. Eine Direktverbindung bringt uns nach Rovereto in Norditalien, wo wir auf das Auto umsteigen um die zahlreichen Dörfer und Städtchen abzufahren, die sich alle in stoischer Gleichförmigkeit zwischen das Ufer des Gardasees und die angrenzenden Berge schmiegen. Torri del Benaco reiht sich also nahtlos in diese Reihe ein und wäre uns vermutlich nicht mehr oder weniger aufgefallen.

Wenn man etwas Zeit mitbringt und die Ruhe zum Lesen oder Arbeiten nutzen möchte, ist die Anreise mit dem Zug und Bus übrigens sehr empfehlenswert. So gewöhnen wir uns auch gleich an das süße Nichtstun, das uns am Ziel erwartet.

Wir wohnen in einem Apartment, das wir kurzfristig buchen konnten (und sehr empfehlen können) und das sich im oberen Teil des Ortes in einer merkwürdigen Mischung aus schicken Ferienapartments, Hotels, Mehr- und Einfamilienhäusern an den Berghang schmiegt. So sehen wir jeden Morgen dabei zu, wie sich der Dunst langsam aus dem See hebt und diesen spätestens bis mittags einem klaren Blick freigibt.

Die vielbefahrene Hauptstraße trennt den Ort in zwei funktional unterschiedliche Bereiche ein. Auf der dem See zugewandten Teil der Straße findet das öffentliche Leben statt. Hier lässt sich der ursprüngliche Kern des Fischerdorfes entdecken und hier sind auch beinahe alle Restaurants und Läden auch die Kirche und ein Gemeindegarten. Auf der anderen Seite spielt sich das Privatleben der Einwohner und Besucher ab.

La dolce far niente

Hier ist auch unser Zuhause für eine Woche, das uns mit allen Annehmlichkeiten des italienischen Lebensstils versorgt: eine Kaffeemühle, eine Siebträger Espressomaschine, Zitruspresse. Wir starten in den Tag mit einem Espresso Macchiato und holen uns süße Cornetti aus dem Dorfladen. Mit jedem Tag den wir da sind, verliert sich unser Takt ein wenig mehr. Unsere Abläufe strukturieren sich neu und bemessen sich mehr an den Snack und Kaffeepausen als an der Uhrzeit. Der tägliche Spaziergang ins Dorf wird zur vertrauten Routine. Wir kaufen frische Pistaziencreme, Brot, Käse und Obst, schlendern noch ein wenig am See entlang oder erfrischen uns kurz darin. Danach sitzen wir auf den Steinbänken, lassen uns von der Sonne trocknen und sehen der Geschäftigkeit der Nichtstuer zu, unter die wir uns gemischt haben.

Sowieso fällt einem das eigene Deutsch-sein kaum so sehr auf, wie an einem normalen Augusttag am Gardasee.

Die wenigen Strände in Torri sind im August voll mit Urlaubern. Sowieso fällt einem das eigene Deutsch-sein kaum so sehr auf, wie an einem normalen Augusttag am Gardasee. Das Ostufer des Gardasees ist beliebt – vor allem im August. Und der Ort gibt den Touristen in scheinbarer Gleichgültigkeit das, was sie von ihm verlangen. Was man hier findet ist mehr bürgerliche Gemütlichkeit als idyllische Abgeschiedenheit: Hier gibt es keine Attraktionen oder kulturellen Highlights. Es gibt eine pittoreske Kirche, eine Seepromenade mit vielen Restaurants unter denen einige sehr gute italienische Küche servieren und Souvenirläden mit zitronengelber Keramik in der Auslage. Dennoch ändert sich das Tempo der Menschen und des Ortes scheinbar nicht besonders durch die zahlreichen Touristen, die hier ein und aus gehen.

So verbringen wir träge, heiße Tage im Süden und lassen uns vom Takt der Sonne und der Menschen um uns treiben. Wir liegen am Pool, kochen zusammen und halten Mittagsschlaf. Nach sieben Tagen verlassen wir Torri del Benaco so entspannt und entschleunigt wie schon lange nicht mehr.


0 Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like

Brixen

Ich nehme euch mit nach Brixen - einer der ersten Hotspots südlich des Brenners. Die Stadt ist so typisch für vieles, was Südtirol auszeichnet. Ich liebe Brixen für das was es ist und auch nicht ist. Ich mag die Normalität, die hier herrscht, den bürgerlichen Charme der Kleinstadt und die sportlichen Herausforderungen, die man hier in den Bergen rund um den Ort findet.
Zum Artikel
Bett und Nachttisch um 1477 Reichhalter

1477 Reichhalter

Tourismus. Bereits das Wort suggeriert Beliebigkeit. Es klingt nach Plastikstuhl und Clubabend. Ausnahmen bestätigen auf beeindruckende Weise die Regel. Das hat uns heute Klaus Dissertori vom Hotel Schwarzschmied gezeigt. Er hat uns sein neues Hotelprojekt, das 1477 Reichhalter in Lana vorgestellt.
Zum Artikel