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Wallbox: DC-Ladestation für zu Hause?

Wallbox DC Ladestation für Zuhause

Eigentlich will ich hier deutlich mehr über E-Mobilität schreiben, als ich dies in den letzten Monaten geschafft habe. Wir haben aber derzeit ein privates Sideproject, das einen großen Teil unserer Freizeit in Anspruch nimmt (ich hoffe, dass wir hier spätestens Ende des Jahres mehr erzählen können). Zudem funktioniert unser elektrischer Alltag mit dem BMW i3 und der Wallbox Pulsar (hier nochmal das Testvideo der Pulsar) so reibungslos, dass wir zwar mittlerweile auch zwei befreundete Familien von der E-Mobilität überzeugen konnten, aber davon abgesehen wenig Neues passiert ist. Bis jetzt!

English version here

Vergangene Woche konnten wir unsere guten Beziehungen zum spanischen E-Charging-Startup Wallbox nutzen und haben uns mit Jörg (Vertriebsleiter Deutschland) und Enric (CEO von Wallbox) auf der eMove360° in München verabredet. Und das, was die beiden zu erzählen hatten, war wirklich sehr, sehr spannend.

myWallbox und weitere neue Features

Jörg konnte uns schon die neue Software von Wallbox (myWallbox) zeigen, die demnächst auf iOS und Android sowie in der Web-Applikation ausgerollt wird. Wir konnten die Betaversion testen und sind voller Vorfreude. Das Design sieht sehr modern und aufgeräumt aus und es werden weitere Features wie Stimmerkennung und – noch etwas nebulös- Services auf Basis von Künstlicher Intelligenz (AI) hinzugefügt.

Mit dem Update werden auch Probleme behoben, die derzeit noch vereinzelt auftreten können, so dass ale bestehenden Wallboxmodelle wie die Pulsar, die Commander (diese wird in einer überarbeiteten Version erscheinen: Wallbox Commander 2.0) und die Copper. Zur Wallbox Copper werden wir demnächst sehr viel mehr berichten können, wir sind gerade dabei, eine neue Copper (in schwarz) bei uns zu installieren. Test folgt :-)

Der neu DC Lader für Daheim

Wallbox DC-Ladestation für Zuhause

Besonders hat uns aber am Stand von Wallbox etwas anderes interessiert: Wallbox stellte auf der Messe erstmalig einen kompakten DC-Charger für zu Hause und den professionellen Einsatz aus. Das ist dahingehend etwas besonderes, dass es zwar (und das war auf der Messe auch sichtbar) haufenweise kompakte AC-Lader für zu Hause gibt und auch sehr viele DC-Charger für den professionellen Einsatz, aber kaum eine Firma DC-Laden für daheim anbietet. Bislang hatte meines Wissens nur Webasto einen solchen, möglichst, preiswerten DC-Charger vorgestellt, der jedoch mittlerweile auf 2020 verschoben wurde.

Somit dürfte der DC-Prototyp von Wallbox eines der ersten, wenn nicht die erste DC-Ladestation für zu Hause werden, den man sich leisten kann. Wallbox-CEO Enric zeigte uns am Gerät selber, das wir auch von innen ansehen durften (hierzu dürfen wir aktuell nichts schreiben), wie kompakt die Bauweise durch den Einsatz neuester Technologie ist, so dass sie auch sicher im Eigenheim installiert werden kann. Die Ladestation wird damit nicht nur einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber der AC-Ladung (nicht unbedingt in Theorie, aber vor allem in der Praxis–> siehe Erklärtext unten) bieten. Besonders spannend wird ein Kernfeature der neuen DC-Chargingbox: sie ist vollständig auf bidirektionales Laden ausgelegt. Die dafür entwickelte bidirektionale Umrichtertechnik ermöglicht die Interaktion zwischen Stromgenerierung, Speicherung und Laden des E-Fahrzeugs zu Hause. Die DC-Ladestation von Wallbox wird Vehicle-to-Home (V2H) und Vehicle-to-Grid (V2G) Energieeinspeisungen durchführen können. Sobald wir mehr Infos haben, werden wir hier darüber berichten. Stay tuned.

DC Lader von Wallbox

Technische Details zum Thema DC-Laden

AC- oder DC-Ladung? 

Mit „AC-Ladung“ und „DC-Ladung“ sind die zwei Ladearten gemeint, die auf unterschiedliche Stromarten zurückgehen. Wechselstrom (AC) bezeichnet dabei Strom, der seine Richtung in regelmäßiger Wiederholung ändert. Im Gleichstrom (DC) ändert sich Stärke und Richtung nicht. Akkus in Elektroautos können ausschließlich mit Gleichstrom geladen werden; da jedoch Strom aus dem öffentlichen Netz Wechselstrom ist, wird ein Gleichrichter und eine Ladeelektronik benötigt (für AC Laden muss das Fahrzeug diese Funktionalität haben). DC Ladestationen beinhalten diese Technik selbst innerhalb des Geräts, sind dementsprechend deutlich komplexer und teurer. In Europa kristallisiert sich heraus, dass E-Fahrzeuge beide Ladearten beherrschen (zumindest gegen Aufpreis). Bei AC-Ladungen muss man zwischen Typ 1 und Typ 2 Anschlüssen am Auto unterscheiden, bei DC Ladung sind die Konkurrenten CHADemo und Combined Charging System (CCS). Auch hier scheint sich in Europa eine Kombination aus Typ 2 für AC-Ladung und für CCS am DC-Lader als Standard zu entwickeln.

Warum also DC-Charging für zu Hause,

… wenn es teurer und komplexer ist?

Mit DC-Charging lassen sich deutlich höhere Ladeströme realisieren, so dass bei gleicher Ladezeit deutlich mehr Reichweite hinzugewonnen werden kann. Die Verhältnisse werden umso deutlicher, wenn man die die Maximalwerte (43kW bei AC versus 350 kW bei DC) aus unterschiedlichen Gründen nicht ausschöpfen kann. So kann beispielsweise die Schieflasterkennnung und ein Einphasenlader am Fahrzeug dazu führen, dass beispielsweise der neue Hyundai Kona bei AC nur mit etwa 4 kW laden kann, während er an DC bis zu 70 kW schnell geladen werden kann. Es handelt sich also um einen Geschwindigkeitsvorteil um mehr als das Zehnfache. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alle einphasig ladenden Autos vom künftigen Wallbox DC Lader profitieren werden. Insbesondere bei einem Nutzungsverhalten, das eine häufige Schnellladung benötigt, wird so klar, dass es künftig viele Use Cases für DC-Ladung zu Hause geben wird.

17 Comments
  • Jörn
    says:

    Hallo.
    Ich finde gerade die Möglichkeit Interessant mit kleinen Leistungen laden zu können.
    Stichwort ist hier Überschussladen mit der Photovoltaikanlage.
    Mit einem 3pol. AC-Lader liegt die untere Grenze bei 4KW. Die PV-Anlage liefert aber nur selten einen Überschuss von 4KW. Aber sehr oft einen Überschuss von 1-3KW. Das würde übers Wochenende ausreichen um das Auto komplett mit Sonnenstrom zu laden.
    Würde beim AC-Laden nicht gehen, aber hoffentlich beim DC-Laden.

  • Stephie
    says:

    Ein DC-Ladepunkt ist normalerweise bedeutend teurer als ein AC-Ladepunkt, weil hier komplett andere Bauteile verbaut werden müssen, die deutlich mehr Komplexität beinhalten. Deswegen ist für alle 3P Lader der AC-Ladepunkt immer zu bevorzugen, solange eine 11kW Ladeleistung ausreichend ist, was in den meisten Fällen bei den Heimladern der Fall sein dürfte. Bei 1P-Ladern sieht die Welt etwas anders aus; hier kann sich je nach Bedarf eben eine solche DC-Wallbox für zu Hause lohnen, da man im Zweifel 4-5 mal so schnell laden kann. Nochmal: die Kosten werden für diesen speziellen Anwendungsfall sehr hoch sein und sich mutmaßlich erst dann amortisieren, wenn die Wallbox V2G Möglichkeiten mitbringt.

  • Udo Weber
    says:

    Hallo Stephie,
    die Idee dahinter ist, das man auch Fahrzeuge mit CCS die nur die 1 phase AC-Ladung unterstützen, Zuhause mit mindestens 11 kW laden kann. Es ist ja noch nicht ganz klar wohin die Reise bei den Fahrzeugherstellern geht. Tesla hat ja beim Modell 3 auch ein CCS mit 11 kW AC-Ladung verbaut, schwenkt also jetzt auf den CCS Standard. Auch Hundai hat für den Kona jetzt 11 kW AC angekündigt. wenn es also zukünftig E-Autos mit CCS geben wird die AC nur 1 phasig geladen werden können, aber die DC-Ladung unterstützen, würde eine preiswerte 11 kW Home-Wallbox sehr viel Sinn machen.
    Für Zuhause sind 11 kW ja völlig ausreichend, auch wegen des vorhandenen Netzausbaus und warum muss eine 11 kW DC-Ladebox deutlich teurer sein als eine AC-Ausführung ?

  • Stephie
    says:

    Hallo Herr Weber,

    mutmaßlich könnte die Wallbox auch so betrieben werden; ich frage mich aber, wieso man eine DC Wallbox auf eine Leistung reduzieren sollte, die ja noch sehr einfach an AC zu deutlich niedrigeren Kosten realisiert werden kann. Im genannten Fall vom Tesla Model 3 würde ja eine 3P-Ladung mit 16A pro Phase an AC (ergo 11kW) vollkommen ausreichen. Wieso sollte man hier mehrere Tausend Euro Aufpreis für einen DC-Lader ausgeben, den man dann auf dieselbe Leistung herunterreguliert? Mutmaßlich wäre dann auch der V2G Case unwirtschaftlich, weil eine externe Speicherlösung die Mehrkosten deutlich unterschreiten würden. Bislang sind noch keine Preise zur DC-Wallbox für zu Hause bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass die Preise hier deutlich in den vierstelligen Bereich hineingehen.

    Viele Grüße!

  • Stephie
    says:

    Vielen Dank für die Info. Können Sie uns hier noch mehr Details nennen (Verfügbarkeit, Preis, CCS)?

    Danke und viele Grüße

  • Udo Weber
    says:

    Hallo, kann diese DC-Wallbox auch mit 3 Phasen 16 A, also am 11 kW Hausanschluss betrieben werden ?
    Eine Home-Wallbox für 11 kW DC-Laden wäre die Lösung für die meisten E-Autos, insbesondere weil alle neuen Fahrzeuge und auch der Tesla Modell 3, jetzt CCS unterstützen.
    Gruß Udo

  • Manfred Przybilla
    says:

    Hallo,
    wir von Ambibox stellen auf der Intersolar 2019 eine V2G-DC-Wallbox vor. Die vorgestellte Wallbox ist Teil eines modularen Systems, welches neben der Wallbox auch einen Cluster-Charger unterstützt, der von einem Zentralen Leistungspunkt mehrere DC-Ladepunkte (z.B. im Parkhaus) unterstützen kann.

  • Stephie
    says:

    Ja, das ist soweit schon bekannt. Die DC Wallbox wird zuallererst für die Autos erscheinen, die einen Chademo-Anschluss (also keinen CCS!) am Auto haben. Das sind aktuell vor allem Autos von Nissan (Leaf). Etwas später, ich denke nicht vor 2021, wird die Wallbox dann auch für CCS (BMW, Mercedes, Audi, VW, etc) erscheinen.

    Reicht dir das als Info?

  • joesi
    says:

    hallo!
    Ist auch bekannt, mit was für Autos das das funktioniert, damit ich event. jetzt das richtige auto kaufe?

  • Stephie
    says:

    Hallo,
    die Wallbox wird vss. 2020 in Deutschland released werden. Wallbox führt typischerweise Produkte zuerst in Spanien ein und mit wenigen Wochen Verzögerung auch in Deutschland.

    Viele Grüße

  • Stephie
    says:

    Lieber Karl,
    wir sind dran und werden, sobald uns kommunizierbare Informationen vorliegen, hier teilen.

    Viele Grüße

  • Stephie
    says:

    Lieber Heiko,
    danke für deinen Kommentar. Bislang handelt es sich nur um eine Produktankündigung ohne Launch Date. Ich gehe davon aus, dass die CHADemo Lösung in 2019 auf den Markt kommt.

  • Stephie
    says:

    Lieber Bernhard,
    vielen Dank für dein Lob. Zum Preis wurde noch nichts gesagt und dürfen wir hier auch nichts nennen. Da die Wallbox durchaus auch für den ambitionierten Einsatz zu Hause gedacht ist, wird sich der Preis mMn unterhalb von aktuellen Lösungen bewegen.

  • Ing. Julius Bernhard Schandl
    says:

    Hallo, danke für diesen interessanten Beitrag! Wisst Ihr schon, wie viel diese neue V2G-DC-Wallbox in etwa kosten wird? Bitte wenn möglich per E-Mail antworten. Danke & LG Julius (Energieberater in Salzburg)

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