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Elektromobilität: Lademöglichkeiten im Alltag

Elektroauto laden

Bereits im letzten Jahr haben wir uns hier auf dem Blog und auch allgemein die Frage gestellt, ob wir ein Elektroauto brauchen. Den smart forfour ed hatten wir da schon mal testweise für ein Wochenende ausgeliehen und auf Herz und Nieren geprüft. Heute kommt nun das lang ersehnte Update zu diesem Thema. Soviel vorweg: Wir sind einem Elektroauto mittlerweile einen guten Schritt näher gekommen (genau genommen haben wir sogar schon eines bestellt) und haben uns in den vergangenen Wochen im Wesentlichen mit der Frage beschäftigt, was das konkret für unseren Alltag bedeutet bzw. was wir beachten müssen.

Wie alltagstauglich sind E-Autos stand heute?

Elektromobilität ist die Zukunft. Jeder, der einmal ein Elektroauto gefahren ist, wird das bestätigen. Mittlerweile hat auch die deutsche Automobilindustrie den Schuss gehört und sattelt so langsam um, so dass in den kommenden Jahren einige rein elektrische Fahrzeuge auf den Markt kommen, die daneben auch noch vollkommen alltagstauglich sind. Was aber ist, wenn ihr bereits heute rein elektrisch unterwegs sein möchtet? Soviel vorab: es warten zwar einige Hürden auf Euch, mit ein wenig Extra-Wissen und der richtigen Technik ist das aber bereits heute gut machbar. 

Viele unbegründete Vorurteile gegen E-Mobilität

Es gibt einige Vorbehalte gegen Elektroautos, die aus meiner Sicht nicht zutreffend sind. Weder gehen E-Fahrzeuge reihenweise in Flammen auf, noch schränken die Batterien das Platzangebot im Auto ein (im Gegenteil!). Auch ist mittlerweile widerlegt, dass der ökologische Fussabdruck von Elektroautos, deren Batterien energieaufwändig produziert werden müssen und zum Teil seltene Ressourcen enthalten, negativ ist: schon nach wenigen Jahren Laufzeit überholt ein Elektroauto in dieser Disziplin selbst die effizientesten Verbrennermotoren und ist dabei ab dem ersten Tag an lokal emissionsfrei. Dass Elektroautos sehr viel Spaß machen (kein Gangwechsel und hohes Drehmoment von Beginn an), war jedoch nie umstritten. Der einzige große Kritikpunkt an Elektroautos war und ist die Alltagsreichweite, der Begriff der „Reichweitenangst“ hat es sogar zu einiger Prominenz in Deutschland gebracht. Auch für uns war das das größte Fragezeichen. Haben wir immer genügend Reichweite und wie stark müssen wir unserern Alltag einschränken bzw. der neuen Ladesituation anpassen? Mittlerweile sind wir der festen Überzeugung, dass auch das Thema Reichweite in den Griff zu bekommen ist, wenn man eine sehr gute eigene Ladeinfrastruktur aufbaut.

Ladezyklen, Infrastruktur und Lademöglichkeiten für ein Elektroauto

Unsere Rechnung sieht wiefolgt aus: Gemäß aktueller Daten aus 2017 vom Kraftfahrtbundesamt fährt ein durchschnittlicher PKW knapp 37 Kilometer täglich. Legt man einen BMW i3 der aktuellen Generation (94Ah) zu Grunde, der im Alltag 200 km (300 km nach NEFZ Zyklus) schafft, müsste man also im Schnitt nach fünf Tagen an eine Steckdose. Das wäre also typischerweise nach einer Arbeitswoche der Fall. Lädt der Wagen dann über die Nacht (knapp 10 Stunden), ist man eigentlich durchgängig mobil. Soviel zur Theorie.

Reichweitenspitzen abdecken

In der Praxis hat man jedoch Reichweitenspitzen, die geschafft werden müssen. Es kann eben passieren, dass ein nicht vollständig geladenes Auto mit wenig Vorlauf eine größere Wegstrecke absolvieren muss. Alltag eben. Unabhängig davon, dass es den Akkus im Auto schadet, komplett leer gefahren und dann wieder auf 100% aufgeladen zu werden: manchmal hat man einfach nicht die Zeit, um 10 Stunden oder sogar noch länger an der haushaltsüblichen Steckdose aufzuladen. Zudem wird die Ladezeit an der Steckdose natürlich noch länger, je mehr Kapazität die Akkus haben. Einen Tesla kann man in der großen Variante schon heute nicht mehr über die Nacht aufladen, zu groß sind die Akkus. Will man sein Auto auch nicht irgendwo aufladen, sondern in der eigenen Garage, kommt man also nicht umhin, über eine eigene Ladeinfrastruktur, die über einen Schuko-Stecker hinausgeht, nachzudenken: eine Wallbox muss her.

Beantragung und Installation einer Wallbox

Ihr habt den Grundsatzentscheid getroffen, dass ihr für zu Hause eine Ladestation für euer Elektroauto haben möchtet? Dann müsst ihr bei der Auswahl und vor allem bei der Umsetzung eures Vorhabens folgende Punkte beachten:

  • Wenn ihr nicht selbst Grundstückseigentümer am Installationsort seid, benötigt ihr das Einverständnis der (anderen) Eigentümer. Das ist vor allem bei Mehrfamilienhäusern (wie auch dem unseren) der Fall.
  • Die Installation einer Wallbox ist anmeldepflichtig beim Energieversorger (bei uns waren es die Stadtwerke). Hierzu müsst ihr die konkrete Wallbox mit der Einverständniserklärung des Eigentümers (siehe oben) einreichen. Dann wird geprüft, ob der Hausanschluss stark genug ist für die Wallboxinstallation.
  • Die Installation muss zwingend von einem Elektriker durchgeführt werden
  • In vielen Städten wird die Errichtung einer Wallbox finanziell unterstützt. Es lohnt sich also mal bei der Stadt nachzufragen, ob es ggf. einem Elektromobilitätszuschuss gibt
  • Der Versicherungsschutz am Aufstellort muss überprüft werden. Generell solltet ihr eure Hausverwaltung bezüglich der Versicherungsthematik frühezeitig einbeziehen. Anscheinend gibt es hier teilweise Klauseln in den Verträgen, so dass Vertragsanpassungen notwendig werden können.
  • Die Wallbox muss zu eurem Auto und zu euren Nutzungsparametern passen

Einverständnis des Eigentümers

Das Einverständnis der anderen Eigentümer ist nicht immer ganz einfach zu erreichen. Das ist besonders im Falle großer Eigentümergemeinschaften ein Problem: Oft sind die Vorbehalte gegenüber E-Mobilität groß und selbst wenn man diese aus dem Weg räumen kann: die beschlussfähige Eigentümerversammlung ist einmal im Jahr. Habt ihr den Termin verpasst, wartet ihr erstmal wieder 12 Monate. Darüber hinaus gibt Eigentümergemeinschaften, die eine individuelle Lösung nicht möchten aus Sorge, sich für die Zukunft Optionen wie Lastmanagement bei Betrieb mehrerer Lademöglichkeiten zu verbauen. Unsere Lösung war eine gute Kommunikation mit der Hausverwaltung, den Verwaltungsbeiräten und anderen Eigentümern. Ihr müsst Euch darauf einstellen, hier an vielen Stellen überzeugen zu müssen und auch etwas Geduld mitzubringen.

Anmeldung bei den Stadtwerken und Installation durch den Elektriker

Die Anmeldung der Wallbox bei den Stadtwerken ist meistens ein recht formeller Prozess, den aber der Elektriker für euch (postalisch und bei einigen Städten auch digital) einleiten kann und muss. Hierzu müsst ihr die konkrete Wallbox mit der Einverständniserklärung der anderen Eigentümer einreichen. Dann wird geprüft, ob der Hausanschluss stark genug ist für die Wallboxinstallation. Im besten Falle ist der Anschluss bereit und ihr erhaltet direkt grünes Licht. Bei älteren Hausanschlüssen oder im Falle bereits vorhandener Wallboxen, kann eine Erweiterung notwendig werden. Diese wird mit einem Kostenvoranschlag an die Hausverwaltung übermittelt und lag in unserem Falle in einem Bereich, der noch vertretbar war (grob 150 Euro pro KW).

Da ihr bei der Installation moderner Wallboxes mit Starkstrom arbeiten müsst, muss die Installation von einem Elektriker durchgeführt werden. Andernfalls ist in vielen Städten auch keine finanzielle Förderung (oft bis zu 10% der Kosten) möglich. Auch der Versicherungsschutz dürfte schwierig sein, wenn kein qualifizierter Fachbetrieb die Wallbox installiert.

Für welche Wallbox wir uns entschieden haben und welche Erfahrungen wir dabei gemacht haben, lest ihr in Teil 2 dieses Artikels.

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