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Wandertipp Südtirol: Kasseler Hütte

Die Kasseler Hütte oder Rifugio Roma

Das Südtiroler Ahrntal ist noch immer ein Geheimtipp für Wanderer. Ich habe euch dazu schon im Post zur Wanderung auf die Kegelgasslalm berichtet. Heute möchte ich euch eine weitere ganz besondere Tour vorstellen: den Weg von Rein in Taufers hoch zur Kasseler Hütte im Rieserferner-Gebiet, die die Italiener “Rifugio Roma” nennen.

Wanderung zur Kasseler Hütte

Die Kasseler Hütte gilt als einer der beliebtesten Stützpunkte für ausgiebige Wanderungen und ist mit ihrer exponierten Lage direkt unterhalb der Hochgall-Nordwand ein wichtiger Schutz für Wanderer und Bergsteiger vor dem dort schnell wechselnden Wetter. Es gibt einige Routen hoch zur Kasseler Hütte, die auch “Hochgallhütte” oder “Kassler Hütte” genannt wird. Der einfachste Zustieg erfolgt über den Weg Nr.1, den ich mit teils etwas verregneten Fotos dokumentiert habe und euch vorstellen möchte.

Wegweister zur Kasseler Hütte

Das Wetter war an diesem Tag extrem wechselhaft, es regnete immer wieder und die Sicht war stark eingeschränkt. Auf dem Weg zur Hütte hörten wir mehrmals einen Rettungshelikopter, der (wie wir später auf der Hütte erfahren haben) einem verunglückten Bergsteiger half. Glücklicherweise ist an diesem Tag nichts schlimmeres passiert und es wurde niemand gefährlich verletzt. Dennoch wurde uns beim Blick nach Oben etwas mulmig. Zu schnell änderten sich an diesem Tag die Witterungsbedingungen. Wir begannen, noch besser auf Wettersignale zu hören und entschieden uns trotz des unsicheren Wetters weiter aufzusteigen. Auf dem Weg nach Oben begegneten uns viele Wanderer, die umkehrten, weil sie Sorgen wegen des Wetters hatten. Auch wir überlegten immer wieder ins Tal zurückzukehren, hatten allerdings mit guter Kenntnis des Weges den Vorteil, etwaigen Unterschlupf frühzeitig auszumachen. Es war klar, dass wir keinerlei Risiko eingehen wollten. Mit der Bergrettung mag man im Urlaub nicht wirklich in Kontakt kommen. Allerdings war das Wetter nicht durchgängig schlecht und stabilisierte sich sogar den Tag über ein wenig.

Die Wanderung, die ich euch vorstelle, ist zwar einfach, dennoch ist die hochalpine Landschaft keinesfalls zu unterschätzen. Schwierigkeiten ergeben sich eigentlich nur aus der etwas steinigen Strecke, die nach Regentagen sehr rutschig sein kann. Doch beginnen wir von vorn…

Rettungshubschrauber über einem Waldstück

Der Wanderweg von Rein in Taufers hinauf zur Kasseler Hütte

Am einfachsten startet ihr von dem kleinen Bergdorf Rein in Taufers aus. Solltet ihr mit dem Auto gekommen sein, bietet sich der kostenpflichtige Parkplatz rechts unterhalb des Dorfes an (Tagesgebühr für PKW: 3 Euro). Wenn ihr einen geschulten Blick habt, seht ihr bereits an diesem Platz die erhaben trohnende Kasseler Hütte, die in Südtirol auch gerne als “Edelhütte” bezeichnet wird. Von unten kann man sich nur bedingt vorstellen, so hoch hinaus zu kommen – und das an einem Tag!

Blick auf Kasseler Hütte vom Tal

Blick auf Rein in Taufers

Vom Parkplatz aus geht ihr über eine Holzbrücke und steigt direkt in den Wanderweg Nr. 1 ein. Diese Wanderroute ist hierbei gut begehbar und nicht allzusteil, so dass auch Trailrunner voll auf ihre Kosten kommen. Ihr wandert über viele Steine hinweg durch eine Vegetation, die teilweise wie ein Regenwald aussieht. Kurz vor der Baumgrenze erreicht ihr nach etwa einer Stunde eine Alm, die zur zwischenzeitlichen Rast einlädt. Da bei meiner Wanderung hoch zur Kasseler Hütte teils starker Regen einsetzte, konnte ich hier kurz unterstehen. Geht man noch etwas weiter, kündigt sich schon durch starkes Rauschen ein größerer Bergbach an, der etwas später noch getoppt wird durch einen ins Tal herabschießenden Wasserfall, den ihr durch eine Brücke überschreitet.

Vegetation auf dem Weg zur Kasseler Hütte

Wasserfall auf dem Weg zur Kasseler Hütte

Ab jetzt habt ihr die Kasseler Hütte wieder voll im Blick. Auch wenn ich tropfend nass war: ab diesem Zeitpunkt des Wiedersehens gibt es nur noch ein klares Ziel. Das ist jedoch noch weiter entfernt, als man zunächst ahnt. Doch der Weg ist sehr abwechslungsreich und vor allem durch einen zweiten beeindruckenden Wasserfall (oder zumindest sehr steil abfallenden Bergbach) attraktiv.

Die Kasseler Hütte im Tauferer Ahrntal

Brücke über Gebirgsbach

Die Hütte immer im Blick zu haben motiviert wirklich sehr, die letzten, recht steilen Stufen kurz vor der Hütte schnellstens zu erklimmen. Wieviele Stufen das sind, merkt man erst wieder beim Abstieg und da vor allem in den Waden. Habt ihr euer Tagesziel erreicht, könnt ihr euch auf einen freundlichen Empfang durch die Gastgeberfamilie Seeber freuen. Die Mannschaft in der Hütte hilft so gut zusammen, dass selbst bei starkem Andrang jeder Gast flott versorgt wird. Sollten eure Klamotten ebenfalls durchnässt sein, wie unsere es an diesem Tag waren, könnt ihr diese im eigens errichteten Trockenraum aufhängen. Das Trocknen klappt in Kombination mit dem befeuerten Ofen prinzipiell sehr gut, es sei denn, eine Bergsteigertruppe kommt nach euch an und hängt die nassen Gletscherklamotten über die eigenen Wandersachen. Das ist eher so… doof und hat uns auch etwas die Laune verhagelt.

Die Kasseler Hütte oder Rifugio Roma

Sollte das Wetter weiterhin Kapriolen schlagen, ihr einfach den Sonnenaufgang von der Hütte aus erkunden wollen oder am nächsten Tag eine weiterführende Wanderung (zum Beispiel auf den Hochgall, den Magerstein oder den Schneebigen Nock) anstehen, so bietet sich eine Übernachtung in der Kasseler Hütte an. Der Rückweg von der Hütte nach Dorf Rein in Taufers erfolgt auf dem gleichen Weg und stellt keine Schwierigkeit dar- da hier sehr viele Steine (dafür kaum Wurzeln) liegen, bitte dennoch vorsichtig absteigen.

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