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One, Two, Three, Four, Ramones!

Garphic Novel "Four Ramones"

Die Biographie der Ramones als Graphic Novel

Ich erschrecke, als der US-Soldat und Vater von Dee Dee Ramone den gestohlenen SS-Dolch seines Sohnes in der Wohnung entdeckt und furios vor Wut sein eigenes Kind bedroht. Nur wenige Seiten braucht der Graphic Novel „One, Two, Three, Four, Ramones“, um mich zu fesseln. Er erzählt die Kindheit von Dee Dee, die geprägt war von Alkoholexzessen und häufigen Umzügen der Familie so, dass ich mich selbst tatsächlich involviert fühle.

Da ein detaillierter und redaktionell aufbereiteter Biographie-Part, durch den die Ramones noch viel greifbarer werden, erst auf den letzten Seiten des Buches zu finden sind, fühle ich mich zu Beginn etwas verloren. Wer nicht gerade ein Ramones-Experte ist, dürfte sich mit einigen Kommentierungen aus dem letzten Abschnitt leichter tun, das aufregende Leben der Kultband nachzuvollziehen. Spoilern ist hier also durchaus empfohlen!

Aber nichts dauert ewig. Am Ende bleibt nur Leere.

Die Graphic Novel steigt passend zum Format schnell ein, lässt sich aber situativ die Zeit, besondere Momente einzufangen. Hierzu zählt beispielsweise die Szene, in der der jugendliche Dee Dee Ramone (sein richtiger Name war eigentlich: Douglas Glenn Colvin, er benannte sich um nach einer Idee von Paul McCartney) auf seinem Bett liegend den Song „Needles and Pins“ hört, während sein alkoholkranker Vater und seine deutsche Mutter mit Messern aufeinander losgehen. In der nächsten Szene spritzt sich Dee Dee anschließend gefundenes Morphin, passend zum Namen des Songs. Durchaus harte Kost.

In der Biographie der Ramones gibt es mehrere solcher wirklich außerordentlich gut erzählter Sequenzen, die mit der tristen, aber gut ausdetaillierten Welt harmonieren.  Die Visualität ist komplett in schwarz-weiß gehalten, was gut zum Nachkriegsdeutschland (hier wuchs Dee Dee bis zu seinem 15. Lebensjahr auf) passt und später einen Kontrast setzt zum glamourösen Rockstarleben. Doch auch in dieser Zeit werden die Ramones immer wieder durch Tristesse eingeholt. Schon früh wird dies in der Biographie deutlich. Die Illustrationen aus der Feder von Éric Cartier verstärken diesen Eindruck. Er zeichnet das Leben der berühmtesten Punkband mit rauem Bleistift, beinahe skizzenhaft.

Long story short: Das Buch ist eines meiner absoluten Highlights aus dem ersten Halbjahr 2018 und wirklich sehr empfehlenswert für alle, die sowohl ein Grundinteresse fürs Thema mitbringen und/ oder sich für die Umsetzung als Graphic Novel interessieren.

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