Ein Österreicher namens Ferdinand mitten im Luitpoldpark der bayerischen Landeshauptstadt. Das hat ja mindestens soviel Sprengkraft wie die Ermordung des selbigen Kronprinzen vor mehr als 100 Jahren. Gut, dass sich die Ressentiments der beiden Völkchen mittlerweile nur noch auf die Frage beschränken, wer das beste Wiener Schnitzel serviert. Und dieser Frage kann man in München kaum irgendwo so gut nachgehen, wie im Restaurant „Zum Ferdinand“ im Bamberger Haus. Wir waren dort eingeladen und durften uns einen Abend durch die Karte probieren und vor allem unseren persönlichen Schnitzel-Kompass neu kalibrieren.

Das Bamberger Haus – ein Bijou mitten in München

Das Bamberger Haus ist ein wunderschönes neobarockes Gebäude am Rande des Luitpoldparks. Es wurde 1912 erbaut, nur zwei Jahre vor dem folgenschweren Attentat auf den österreichischen Thronfolger. Keine Sorge, das wird hier keine Geschichtsstunde. Aber irgendwie fand ich das sehr schön; ein Kreis der sich schließt, sozusagen. Die Lage im Luitpoldpark ist natürlich einzigartig und sagenhaft gut. Wir hatten Glück und erwischen einen der ersten richtig warmen Sonnenabenden in diesem Jahr und konnten deshalb die Vorteile des Gartenrestaurants in allen Zügen genießen. Wir sitzen umgeben von hohen Bäumen fernab des Verkehrslärms der vielen Straßen, die um den Luitpoldpark und das Bamberger Haus herumführen. Gerade das macht das Restaurant für mich sehr besonders und ist irgendwie auch total bezeichnen. Es ist mitten in München und doch irgendwie gut versteckt.

Typisch Österreichisch?

Ein Restaurant, das sich stark auf ein Land fokussiert ist immer eine Gratwanderung. Es muss das Versprechen, typische Landesküche zu servieren, erfüllen und darf gleichzeitig nichts ins Klischee abdriften. Das ist besonders bei der österreichischen Küche schwer, da sie zum einen von vielen Stereotypen belegt ist und man sich abseits vom Wiener Schnitzel doch irgendwie sehr wenig darunter vorstellen kann. Wir sind also wirklich sehr gespannt, wie uns der Abend im „Zum Ferdinand“ gefallen wird.

Die Speisekarte im „Zum Ferdinand“

Wir sind unter den ersten Gästen, die die Terrasse besuchen und starten mit einem Appertif in den Abend. Einer übrigens sehr treffenden Empfehlung des Kellners – ebenso wie der Sauvignon Blanc, den wir zum Hauptgang serviert bekommen. Die Karte ist groß und bietet das, was wir von ihr erwartet haben: Von Klassikern wie dem Tafelspitz über den Vogerlsalat bis hin zu saisonalen Highlights wie Abendsberger Spargel mit geräuchertem Bachsaibling und Forelle. Das ist zwar erwartungskonform, lässt jedoch auch genügend Spielraum für „Ausreißer“ wie den südafrikanischen Wein, den wir an diesem Abend trinken.

Das beste Schnitzel Münchens?

Nachdem die Frage nach dem besten Wiener Schnitzel in München hier ja schon im Vorfeld kurz erwähnt wurde, musste wir das natürlich unbedingt probieren. Darüber hinaus entschieden wir uns für den oben genannten Spargel. Fleisch und Fisch gibts im „Zum Ferdinand“ übrigens in Bio-Qualität. Für die Wochenkarte wird das Restaurant von kleinen regionalen Fischzuchten beliefert. Üppige und sehr hübsch angerichtete Teller werden von uns auf den Tisch gestellt. Wer hier nicht satt wird, muss über seine Essgewohnheiten nachdenken :)

Mit beiden Gerichten waren wir wirklich sehr zufrieden. Fisch und Spargel waren frisch und auf den Punkt. Das Schnitzel kommt definitiv unter unsere Top 3 der besten Schnitzel in München. Zum Nachtisch gabs noch einen Cappucino mit Bohnen vom Dinzler (eine Anerkennung, dass auch im Münchner Umland ganz hervorragende Bohnen geröstet werden), Vanilleeis mit heißen Himbeeren und ein Schokoladenküchlein mit weichem Kern.

Unser Fazit

„Zum Ferdinand“ im Bamberger Haus ist trotz seiner Lage mitten in München für uns immer noch ein Geheimtipp. Jaja, schon klar. Kennt ja jeder, wieso also Geheimtipp? Weil es den Erwartungen stand hält, ohne kitschig zu werden. Wenn man mal alle Faktoren, die uns wichtig sind zusammenzählt (Preise, Service, Qualität und Optik der Speisen) gibt es kaum Alternativen für Österreichische Küche in München. Außerdem ist das Drumherum dort einfach super. Beispiel? Der Service ist professionell und erfahren. Wir bekommen einen Wein empfohlen, der auch wirklich perfekt zum Essen passt. Der Tisch ist schön eingedeckt und die Tische stehen so weit von einander entfernt, dass man trotz voller Terrasse noch Privatphäre genießt. Long story short: Wir können den Ferdinand in allen Punkten weiterempfehlen und werden definitiv wiederkommen.