Staffelkritik Mad Men Staffel 3

0 Shares
0
0
0

Was so nichtsagend und teilweise schon langweilig beginnt, endet in einem grandiosen Finale von ungeahnter Qualität.  Mad Men Season 3 ist vielleicht nicht die beste der bisher drei Staffeln der amerikanischen Erfolgsserie (oder doch?), auf jeden Fall aber die mit dem größten Überraschungspotenzial. Denn nachdem die Serie in den ersten zehn Folgen langsam vor sich hin plätschert ohne scheinbar auch nur den Versuch zu unternehmen einen Spannungsbogen aufzubauen, der logisch auf ein fantastisch spannendes Ende hindeutet, ist man als Zuschauer schon fast gewillt in Erinnerung an die guten alten Mad Men Zeiten die Fernbedienung beiseite zu legen. Jeder der trotzdem dranbleibt wird dafür umso mehr belohnt!

Denn er wird erkennen, dass der Verlauf dieser Staffel Sinnbild für dessen Quintessenz ist. Die Belanglosigkeit der Handlung zu Beginn ist Synonym für die Welt der Sicherheit  in der sich alle Mad Men und Women bewegen.  Eine Welt die geprägt ist von Konsum, Wohlstand und Sorglosigkeit: „People used to buy things…“

Diese Normalität wird in den letzten Folgen der Staffel schlagartig umgewälzt – in der Makrowelt der amerikanischen Gesellschaft (durch die Ermordung ihres Präsidenten), der Mikrowelt der Werbeagentur an der Madison Avenue (durch den drohenden Verkauf an die Übermacht McCann) und in der kleinsten gesellschaftlichen Einheit, der Familie (durch den Zerfall der Familie Draper) „…Then something terrible happened. And people changed. They want different things now. No one really knows how everything’s changed.“

Veränderungen stehen über der gesamten Handlung dieser Staffel. Don entdeckt zu Beginn der Serie zwar den fürsorglichen Familienvater in sich, doch bereits während der ersten Folgen zeigen sich die unheilvollen Vorboten dafür, dass diese Familienidylle zum Scheitern verteilt ist. Nach der Übernahme durch die britische PPL stehen auch bei Sterling Cooper große Veränderungen ins Haus. Vor allem aber sähen die neuen Eigentümer Missgunst und Konkurrenzkampf zwischen den Kollegen.

Auf der Ebene der Charaktere ist Abweisung ist ein zentrales Motiv – sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich.  Ablehnung, die die Charaktere verändert, sie letztendlich jedoch stärkt und voranbringt. Sie lernen dabei, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen, auf ihre Stärken zu vertrauen.

Das gilt auch und in besonderem Maße für Don Draper, der (zumindest beruflich) moralische Standards setzt und Integrität beweist. Draper wird (inspiriert von Connie Hilton) vom Verwalter unterschiedlichster Interessen und Ideen zum Gestalter seines eigenen Lebenswerks.

So stark wie in bisher keiner Staffel wird dabei die fiktive Handlung mit realen historischen Ereignissen, Entwicklungen und Lebensgefühlen verbunden. Die Civil Rights Bewegung, die Gleichstellung von Mann und Frau, das Aufbrechen tradierter Familien- und Lebensformen und die Unsicherheit die all diese Entwicklungen begleitete – symbolisiert durch das maximale Trauma der amerikanischen Gesellschaft der 1960er Jahre: der Ermordung ihres Präsidenten, John F. Kennedy.

Obwohl die Handlung in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt, ist ihre Grundstimmung hoch aktuell. Sie ist vergleichbar mit der Unsicherheit und den Ängsten, die die westliche Welt nach 9/11 (dem maximalen Trauma unserer Zeit) und der weltweiten Wirtschaftskrise bestimmen.

Die dritte Staffel lebt vor allem von der großartigen schauspielerische Leistung der Darsteller. Sie erschaffen Situationen von zwingender Realität  und emotionaler Schärfe, die es den Zuschauern erlaubt tief ins Innere der Charaktere zu blicken.  Dabei gelingt es den Machern der Serie jedem Charakter eine bisher unbekannte Seite hinzuzufügen, diese – und damit auch die gesamte Serie –  weiterzuentwickeln und das Publikum aufs Neue zu überraschen.

(www.essentials-blog.com)

Bildquelle Slideshow: http://blogs.amctv.com/photo-galleries/gallery-photography-for-mad-men-season-3/betty-don.php

0 Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like