Cover der Comic-Biographie

I see a darkness – eine Rezension

0 Shares
0
0
0
Buchseite der Comic-Biographie "I see a darkness"Das Werk “I see a darkness” von Reinhard Kleist ist bereits seit etwa fünf Jahren erhältlich, doch leider hatte ich erst jetzt zum ersten mal Gelegenheit dazu, es zu lesen. Der 1970 geborene Wahlberliner versteht es, die schwierige Lebenschronik des Countrysängers Johnny Cash wunderbar zu pointieren und als Comic zu visualisieren – richtig gelesen: die Biographie ist komplett als Comic gehalten und folgt damit dem Trend der “Graphic Novels”, welchem die Süddeutsche Zeitung in Ihrer Reihe “Literatur trifft Illustration” Rechnung trägt. In dieser Reihe erschien im Dezember letzten Jahres auch der von Kleist gezeichnete Comic “I see a darkness”.

Kleist wählt für seine Cash-Biographie ein dem Film “Walk the line” von James Mangold ähnliches Grundsetting, indem das für Cash so bedeutende Konzert in einem der gefährlichsten Gefängnisse in den USA (“Folsom State Prison”) den zentralen Schauplatz der Geschichte bildet. Kleist bettet gleich zu Beginn mit Glen Sherley einen späteren Weggefährten Cashs mit in die Geschichte ein. Der Gefängnisinsasse Sherley träumt von einem Konzert, das Cash und seine Frau June Carter im Folsom Prison geben und schreibt für Cash den wunderbaren Song Greystone Chapel, den Cash im Finale auch in seinem Konzert vorträgt. Glen Sherly ist jedoch nicht nur der gefeierte Songwriter für Cash, sondern auch die Stimme des Volkes während des ganzen Comics. Durch ihn erfährt man, wie Zeitgenossen über Cash gedacht haben.

.
Diese Inszenierung Cashs ermöglicht eine detailreiche und irrsinnig authentische Darstellung seiner Person. Kleist entfernt sich damit vom etwa zeitgleich erschienenen Film, der inhaltlich vor allem die Liebesgeschichte zwischen Johnny Cash und June Carter thematisiert. Dies zeigt sich auch in seinen Zeichnungen: June Carter ist Beiwerk zum bis ins allerletzte Detail gemalten Cash und wird visuell von der Hauptperson deutlich abgegrenzt. Kleist bewundert Cash für seine Fähigkeit, Geschichten zu erzählen und wird dem großen Sänger auf ureigenste Weise gerecht, indem er selbst eine fantastische Geschichte erzählt. Analog zu Cashs Autobiographie geht auch Kleist hart mit dem Hauptprotagonisten ins Gericht; jederzeit wird jedoch deutlich, dass die dunklen Schattenseiten von Johnny Cash ein elementarer Teil seines Lebens und vor allem seiner Musik waren.
.
Der Autor beschreibt mit cineastischen Stilelementen in jeder der drei Phasen von Cashs Leben (Einstieg in das Musik-Business, Kampf mit sich selbst, Erfolg), dass eine Verbesserung des Momentanzustandes dann zu erreichen ist, wenn man wie Cash – aller Selbstzweifel zum Trotz – an sich glaubt. Hierfür steht symbolisch das hinzugefügte Ende des Tunnels, in dem sich Cash in Kleists Buch wiederfindet. Insbesondere gegen Ende des Buches wird klar, wie intensiv sich Kleist mit der Persönlichkeit Cashs auseinander gesetzt hat. Er abstrahiert etwas von den biographischen Fakten, um das Gefühl, das man hat, wenn man Cashs Musik hört, zu transportieren. Großartig!
0 Shares
2 comments
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You May Also Like