Ich bin bei fast jedem Car-, Roller- oder Bikesharing Dienst der Stadt angemeldet und nutze diese regelmäßig. Tatsächlich bin ich mittlerweile äußerst selten im eigenen Auto unterwegs. Gleichwohl bewundere ich Leute, die komplett ohne eigenes Auto auskommen: Ganz auf individuelle Mobilität kann (und sicher auch „will“) ich persönlich nicht verzichten. Was unter der Woche noch recht einfach wäre, wird am Wochenende schwieriger. Zu oft sind wir dann doch etwas weiter unterwegs, beispielsweise an den freien Tagen, die wir in Südtirol verbringen oder auf Ausflügen im Münchner Umland. Unser Ziel ist dann oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar. Viele unserer schönsten Unternehmungen hätten wir, da kenne ich uns zu gut, nicht mit Bus und Bahn unternommen.

Und auch wenn ich aktuell noch überzeugter Auto-Besitzer bin: Ich finde es wichtig, sich mit den Nachteilen eines eigenen Autos auseinanderzusetzen. Da sind zum einen sicherlich die Kosten (die es mir aber wert sind). Ja, ich bin mir bewusst, wie viel ein Auto wirklich kostet: begonnen mit den Kosten für einen (Tiefgaragen-)Stellplatz über die Wartungskosten bis hin zum Wertverlust des Fahrzeugs selbst. Ich fahre nicht das neueste Auto, aber ein gut gepflegtes Mittelklassemodell mit viel Platz für Räder, Koffer und Co. Am Ende habe ich mich vermutlich einfach an die Kosten des Wagens gewöhnt. Ein weiterer großer Nachteile eines Autos mit Verbrennermotor ist die Umweltbelastung. Die bereitet mir viel mehr Bauchschmerzen, verhalte ich mich doch sonst zumindest einigermaßen ökologisch und lege viel Wert auf Nachhaltigkeit. Will ich also zu Staus, verunreinigter Luft und Lärmemissionen beitragen? Nein, eigentlich passt das mit meinem Weltbild nicht zusammen und im Alltag stört es mich oft. Nichts davon will ich fördern und meinen Beitrag dazu leisten. Auf ein Auto will ich nicht verzichten, die Umwelt nicht weiter verschmutzen. Was nun?

Elektroauto: Mobilität der Zukunft?

Vermutlich wird rein der Wechsel des Antriebsstranges die Mobilität der Zukunft nicht definieren; zu groß sind Implikationen der Sharing Economy oder auch des autonomen Fahrens. Letzteres macht zwar immer noch große Probleme, konkrete Lösungen werden jedoch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Für mich ist das Elektroauto ein Vorbote der Zukunft: „lokal emissionsfrei“ heißt schließlich nicht nur, dass keine Abgase in die Städte geblasen werden, sondern bedeutet auch, dass der Lärm, der von herkömmlichen Verbrennern ausgeht, auf ein Minimum reduziert wird. Gleichzeitig geht dabei der Fahrspaß nicht verloren – im Gegenteil: Da es keine multiplen Gänge mehr gibt und das hohe Drehmoment sofort anliegt, fährt ein Kleinwagen so flott an wie ein Sportwagen. Das Fahren macht Spaß und wer vorausschauend fährt, reduziert den Verbrauch zusätzlich. Die Stromerzeugung in Deutschland besteht schließlich nicht komplett aus regenerativen Energien, so dass also auch hier jegliches Einsparen positiv aufs Umweltkonto einzahlt. Ich habe schon mehrfach ein Elektroauto bewegt (meistens war es das Elektroauto von BMW, der i3 im Car Sharing). Was ein Elektroauto für uns konkret bedeuten würde und wie gut er in unseren Alltag passt, haben wir nun ein Wochenende lang mit einem smart forfour ed getestet.

Test: smart forfour ed

Smart, die Kleinwagentochter von Mercedes, konzipiert alle ihre Fahrzeuge als Stadtauto. Aktuell verfügbar sind folgende Varianten des smart:

  • smart fortwo
  • smart forfour
  • smart cabrio
  • smart brabus
  • smart ed (fortwo und forfour)

Aus der Konzernzentrale heißt es, dass die Kunden von smart die Langstrecke vermeiden. Auch die, die das Auto im Stadtverkehr nutzen, fahren für gewöhnlich nur wenige Kilometer täglich mit dem Wagen. Umso geeigneter scheint es, das Stadtauto auch als Elektroauto anzubieten, was smart in einer electric drive Variante (ed) bereits nun in der zweiten Generation macht. Erst das aktuelle Modell des smart ed (sowohl als fortwo als auch als forfour) ist aber wirklich ausgereift, das haben wir im Test gemerkt. Die Marke smart soll bis zum Jahr 2020 komplett zum reinen Elektroautohersteller umfirmiert werden.

Technische Daten des smart ed

Der smart ed forfour mit vier Sitzplätzen ist 80 Zentimeter länger als sein zweisitziges Pendant. Entscheidend für die Reichweite von Elektroautos ist bekanntermaßen der Akku; die 96 Batteriezellen speichern beim smart ed 17,6 kWh. Mit einer Schnellladefunktion wird es künftig möglich sein, den Wagen  innerhalb von 45 Minuten auf 80% aufzuladen. Seine Batterien schleppt er logischerweise immer mit sich mit, ich würde jedoch behaupten, dass man die 160kg Zusatzgewicht nur kaum merkt. Die „Automatik“ des elektrischen smart nebst dem Drehmoment (160 Nm) macht diesen Nachteil mehr als wett.

Der Wagen fährt sehr agil und hat auch als ForFour einen sehr angenehmen, niedrigen Wendekreis. Mit bis zu 975 Litern Gepäckraum ist auch genügend Platz. Zum Thema Familientauglichkeit: zwar ist ein Isofix auf der rechten Hinterbank des forfour montiert, allerdings wird ein Kinderwagen eher keinen Platz finden im Kofferraum.

Electric Drive Reichweite in der Praxis

Der Verbrauch des smart forfour ed wird mit 12,9 kWh/100km angegeben, was einer Reichweite des smart electric drive von 160km entspricht. In der Praxis haben wir allerdings im Schnitt 14,5 kWh/100km verbraucht, was die Reichweite deutlich mindert. Diese beträgt damit in der Maximalvariante 142km, die praxisnahe Reichweite sinkt somit auf 106.5km. Mit etwas mehr Weitsicht und geringerem Komfort (Klima aus, Sitzheizung verboten) kann man diese mittels des Eco-Schalters etwas erweitern. Mir wurde von smart gesagt, dass viele der Kunden das Feature nicht oder nur kaum nutzen. Ich persönlich kann das kaum verstehen: im Eco-Modus schwimmt man im Stadtverkehr mit, ohne ein Verkehrshindernis zu sein. Der ForFour rekuperiert etwas aktiver, ein Ausrollen hin zur roten Ampel gelingt damit etwas schlechter, weil mehr Bremsenergie umgewandelt wird. Auf der Autobahn ist der Modus natürlich nichts, das merkt man aber recht schnell. Ich hatte dies auch vorab bereits im smart Forum im Internet nachgelesen. Doch wie gesagt, in der Stadt fahre ich quasi ausschließlich im Ökomodus und komme somit auch auf eine wirklich gute Reichweite oberhalb der 120km.

Was bedeutet die Reichweite des smart ed also in der Praxis?

Ihr habt sicher vom Begriff der „Reichweitenangst“ gehört. Ehrlich gesagt, hatte ich dieses beängstigende Gefühl ebenfalls und bin mir sicher, dass es vielen Leuten zu Beginn der Elektromobilität so geht. Der Grund ist: man schaut etwas hektisch auf die Reichweite, weil man die Lademöglichkeiten unterwegs kaum kennt und diese nicht einordnen kann. Hat die Ladesäule meinen Steckertyp? Ist diese aktiv (während meines Tests bin ich tatsächlich auf eine defekte Säule getroffen) und funktioniert? Kann ich diese mit meiner Ladekarte laden?

Ganz geheilt wurde ich von dieser Krankheit nicht, ehrlich gesagt. Ich mache mir deutlich mehr Gedanken um die nächste Elektrotankstelle, als ich das vielleicht tun müsste und jemals zuvor in meiner alten Verbrennerwelt getan habe. Aber: man gewinnt mit der Zeit Sicherheit, man hat mehr Ladekarten und ist insgesamt etwas selbstbewusster mit dem Auto. Auf riskante Strecken verzichte ich freiwillig – zu groß ist der Stress, dem ich mich aussetzen würde. Für die Leute, die eine standardisierte Strecke innerhalb der Normreichweite (selbst im Winter müssten eigentlich immer 100km drin sein) fahren und eine Lademöglichkeit zu Hause haben, wird das Thema Reichweite kaum eine Rolle im Alltag spielen. Man muss sich bewusst sein: Extravaganzen wie „mal schnell in die Berge“ oder übers Wochenende ins Nachbarland ohne zu recherchieren, welche Lademöglichkeiten es gibt, ist nicht wirklich drin.

Laden des smart forfour electric drive 

In Deutschland ist die Infrastruktur von Elektrotankstellen besser ist als ihr Ruf. Ihr werdet nahezu in jedem noch so  entlegenen Winkel eine Elektrotankstelle finden; es gibt mittlerweile auch Routenplaner, die euer Fahrzeugmodell inklusive der zugehörigen Reichweite entsprechend routen, so dass ihr immer am Ziel ankommt. Das Problem entsteht für mich an einer anderen Stelle: es gibt keine Homogenität und zuviele unterschiedliche Ladenetze und Systeme. Um wirklich größere Strecken ausserhalb der eigenen Hood fahren zu können, benötigt ihr definitiv mehrere Ladekarten. Das macht weder Sinn (da teilweise Grundgebühren erhoben werden) noch Spaß (muss jeweils beantragt werden…). Hier ist Deutschland leider sehr rückständig.

Ebenfalls ein großer Nachteil ist, dass die Schnellladefunktion des smart, die ihn in 45 Minuten auf 80% Ladekapazität bringt, aktuell nicht verfügbar ist. Könnt ihr also nicht zu Hause laden, sondern müsst öffentliche Säulen nutzen, steht ihr lange. Richtig lange, genau genommen 4-6h je nach Ladegeschwindigkeit. Problem: beispielsweise bei den SWM in München wird pro Stunde abgerechnet. Es macht also einen riesigen (finanziellen) Unterschied, ob ihr mit 22kWh oder mit 4kWh ladet. So kostet eine Volladung zwischen 3,50 und mehr als 15 Euro. In der Praxis fand ich das extrem nervig und störend, habe ich aktuell noch keine Wallbox in der Tiefgarage, die mir ein bequemes Laden über Nacht ermöglicht hätte. Die angesprochene Schnellladefunktion für den smart ed wird auch nicht wie ursprünglich versprochen und immer noch oft zu lesen, ab Herbst 2017 verfügbar sein, sondern kann erst ab März 2018 bestellt (!) werden. Die ersten smart ed mit der Schnellladefunktion werden wir daher erst im Sommer 2018 auf der Straße sehen. Mein Eindruck: wer warten kann und auf öffentliche Ladenetze angewiesen ist, sollte dies auch dringend tun!

Preis des Elektro-smart

Durch die 4.000 Euro Elektroauto-Prämie (je 2.000 Euro durch den Hersteller und den Bund) sinkt der Einstiegspreis für den smart electric drive fortwo auf knapp 18.000 Euro. Der smart forfour ed kostet etwa 600 Euro mehr; mit sinnvollen Extras (Sitzheizung, Fußmatten, digitales Radio, Park-Distance Control,…) landet man inklusive der Prämie bei etwa 20.000 Euro. Dadurch, dass die Elektroprämie voll angerechnet wird bei der Zulassung eines Neuwagens, ist das Leasing für den smart ed ebenfalls sehr attraktiv. Hier geht es bei einem Standardpreis von 159 Euro monatlich (keine Anzahlung, 10.000km/Jahr, 48 Monate Laufzeit) los. In Summe zählt der Elektrosmart damit zu den preislich attraktiven Elektroautos, ähnlich dem Nissan Leaf. Wer also einen E-smart kaufen will, findet durch die Elektrowagenprämie aktuell eine günstig(ere) Gelegenheit, er liegt „nur“ noch knapp 5.000 Euro über einem vergleichbaren Benziner. Sollte ich demnächst ein richtig gutes Angebot für einen smart ed (beispielsweise im Leasing oder in der Finanzierung) finden, werde ich das hier veröffentlichen.

Ohne Wallbox macht ein Elektroauto wenig Spaß. Diese müsst ihr noch mit einkalkulieren. Die Ladestation schlägt mit knapp unter 1.000 Euro inklusive Installation zu Buche. Mittlerweile gibt es sehr viele Hersteller, die die Ladevariante, die auf den smart ed passt, anbieten. Quasi alle deutschen Automobilhersteller haben sich hier auf einen gemeinsamen Ladestandard geeinigt (Stecker Typ 2), der übrigens auch von Tesla genutzt wird.

Fazit

Wir haben die Zeit mit dem smart forfour ed wirklich genossen. Die Fahrt mit dem Wagen ist wirklich ein Spaß. Man hat tatsächlich etwas das Gefühl, in der Mobilität der Zukunft angekommen zu sein. Er beschleunigt toll, ruckelt nicht wie sein Benzinerbruder und hat Automatik baubedingt serienmäßig. Auch fährt er etwas ruhiger, da die Batterien im Unterbau -wieauchimmer- mitfedern.

Da der Schnelllader aktuell nicht verfügbar ist, ich keine Wallbox habe und die Abrechnung an öffentlichen Stromtankstellen zeitjustiert ist, waren die Ladungen einerseits zeit- und andererseits sehr kostenintensiv. Am Ende steht man im Zweifel stundenlang irgendwo rum. Fairerweise ist es natürlich geiwssermaßen ein Henne-Ei-Problem. Ohne Elektroauto habe ich keine Ladeinfrastruktur bei mir zu Hause und erst recht keine Tankkarten. Hätte ich ein Elektroauto, würde sich das wohl von selbst lösen (eine Wallbox kostet mittlerweile ab 600 Euro, Tankkarten gibts für ca. 10 Euro Grundgebühr plus 1,80 Euro/Ladestunde). Während unseres Tests hatten wir diese Infrastruktur nicht. Entsprechend aufwändig war es, den smart zu laden. Mit der Reichweite an sich kann man gut zurecht kommen, solange man sich selbst etwas diszipliniert und den smart ed vor allem für die Standardrouten (zur Arbeit und co) nutzt. Die „Reichweitenangst“ geht auf ein Minimum zurück, sobald man die Ladethematik im Griff hat.

Wer wird also den smart ed kaufen oder leasen? Aus meiner Sicht werden dies vor allem Stadtmenschen sein oder Erstwagenbesitzer, die den smart ed noch als Zweitwagen für die Stadt kaufen. Nahezu eine zwingende Voraussetzung ist aus meiner Sicht die Wallbox zu Hause beziehungsweise als Mindestanforderung die Möglichkeit, zu Hause zu laden. Dies geht bei mir aktuell nicht, für eine Wallbox benötige ich erst die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Wenn ich diese habe, bin ich optimistisch, dass ich emissionsfrei zukünftig unterwegs sein werde :-)