Collage Serien Intros

Die 5 besten Serien-Intros…

der Welt? Des Jahres? Fangen wir lieber mal klein an, also: Die besten fünf Serien-Intros … die mir gerade eingefallen. Und, um mich vollständig von jeglicher noch verbleibenden Verbindlichkeit zu lösen: Die Reihenfolge der Nennungen ist keine Rangliste.

Da wäre also zum Einen die US-amerikanische Serie „Mad Men“, die mittlerweile drei Staffeln umfasst und demnächst auch in Deutschland laufen wird. Das Intro von „Mad Men“ ist eine animierte Zeichnung, was es leicht angreifbar macht für Parodien wie zum Beispiel durch die Simpsons. Der Vorspann ist deswegen so hervorragend, weil er es schafft in kürzester Zeit die Quintessenz der gesamten Serie darzustellen: Der Hauptcharakter Donald Draper (eine amerikanische Version des ewigen Stenz) wird in einer Welt dargestellt, die in ihrer Auflösung begriffen ist. Erst zerfällt nur die Mikrowelt – sein Büro in der Madison Avenue. Anschließend fällt er durch die Häuserschluchten New Yorks … ein schier nie enden wollender Fall, vorbei an all dem, was sein Leben bisher prägte. Schließlich landet er – dem Zuschauer den Rücken zukehrend – in einem Sessel: Es scheint, er habe seinen inneren Frieden gefunden. Durch Häuserschluchten New Yorks fallen – ein Sinnbild für das maximale Trauma und die Ängste unserer Zeit. Die Szenerie wirkt wie eine irrationale Antizipation der Zukunft, der einstürzenden Twin-Towers. Sie zeigt die Ängste und emotionale Verunsicherung der Menschen in den 60-ern und weist ihnen gleichzeitig eine moderne Dramatik zu. Bei diesem Intro stimmt eben alles: Stil, Thematik, Tonalität und musikalische Untermalung durch den bedeutungsschwangeren (inklusive Stimmungswechsel) Track „A Beautiful Mine“ von RJD2. I like.

Ein originelles Intro, das eher wie ein Theme auftritt, ist das der US-Serie „Breaking Bad“, in der ein an Lungenkrebs erkrankter Chemielehrer zum Drogendealer wird, um seine langsam zerfallende Familie ernähren und den Familienfrieden aufrecht erhalten zu können. Das Theme ist weniger spektakulär als eher technisch sauber gemacht und zudem in einer originellen Idee verpackt. Es kann vor allem deshalb als modernes Intro gelten, weil auf die Vorstellung der Hauptcharaktere vollständig verzichtet wird. Die Initialen der Serie „Br“ (Brom) und „Ba“ (Barium) werden aus einem hübsch animierten Elementen-Periodensystem herausgelöst und exponiert. Nett.

Eine vollkommen andere Darstellung findet sich bei „True Blood“, der in Deutschland eher als Geheimtipp bekannten Vampirserie auf Basis der „Sookie Stackhouse“-Bücher. Der Vorspann besteht aus einzelnen Szenenfragmenten, die Abscheu, Ekel und Angst auslösen. Der Zuschauer ist aufgefordert diese mit Hilfe der eigenen Fantasie zu interpretieren und mit Assoziationen zu verknüpfen. Das Intro schafft es allein mittels dieser Fragmente, ohne aufeinander folgende Szenen zu zeigen (und somit auch ohne eine Geschichte zu erzählen), die Grundstimmung der gesamten Serie und die Gedanken, Wesenarten und Stimmungen der Charaktere darzustellen: latenter Hass, Fremdenangst, Tradition, Wahn (um nur einige zu nennen). Dieses Intro nutzt sich auch nach mehreren Replays nicht ab, weswegen die Verantwortlichen der Serie auch in den Nachfolgestaffeln auf den gleichen Trailer setzen. Niemand wird es ihnen vorwerfen, denn der Vorspann ist wirklich außergewöhnlich: seine epische Länge (90 Sekunden), seine Intensität (nicht mehr messbar), seine Aussage („I wanna do bad things with you“). Großartiges Werk des Studios HBO. Toll.

Platznummer Vier für einen alten Bekannten: Knight Rider! Gemeint ist hier nicht die neuere Serie von NBC, sondern der Klassiker aus den achtziger Jahren mit David Hasselhoff. Ein klar geschnittenes Videoschnipsel ohne jeglichen Interpretationsspielraum als Kontrastierung zu True Blood. Gleich zu Beginn mittels einer Billig-Animation eingeflogen: die Serie ist in Stereo zu hören. So war Fernsehen früher? Ehrlich? Kaum zu glauben welcher Quantensprung diesem Uralt-Medium in den letzten Jahren gelungen ist, betrachtet man die Qualität, die derzeit auf allen HDTV-Kanälen erkennbar wird. Die Bildwelt des Trailers (besonders zu Beginn und Ende) wirkt nachkoloriert – wie es bei alten Kinofilmen oftmals gemacht wurde um durch diese dramaturgische Farbensprache besondere Stimmungen zu repräsentieren. Und so wird der Vorspann, wie in den 80-ern üblich, dominiert von Violett- und Schwarztönen. Violett, in Filmen meist die dramatische Sonderfarbe der Nacht, des Verbrechens, hier aber auch die Farbe der sexuellen Frustration als Kontrast zur polygamischen Vielfarbigkeit  der westlichen 70-ern, ist Kernelement: Dabei geht zwar die Authentizität verloren, für uns, die Nachwelt wurde aber etwas sehr kostbares konserviert: Ein Lebensgefühl. Ergänzt wird das Farbenspiel durch den Einsatz von harten Schwarz-Elementen. So ist sowohl der Hauptdarsteller in dunkelster Lederkluft gekleidet als auch sein automobiles Wunderwerk der Technik, K.I.T.T., schwarz lackiert.  Wieso das Intro dennoch gut ist? Es ist die unvergleichliche Mischung, die man heute nur schwer nachempfinden kann – was nicht heißt, dass es nicht dennoch immer wieder einer täte (Knight Rider bei den Simpsons versus Mad Men bei den Simpsons). Die mathematisch ausgefuchste Kombinatorik aus trashigem Bildmaterial und fantastischem Ohrwurm (von Busta Rhymes mehrmals neu aufgenommen) – sowas kommt nie wieder und ist deswegen K.U.L.T..

Ebenfalls unerreicht: das Intro von Dallas. Das Intro ist nach allen Regeln der klassischen Introkunst gemacht. Welche das sind? Der Reihe nach: (1) Die Vorbereitung: Der Zuschauer wird per Texteinblendung gewarnt, dass er sich in Acht nehmen soll und sich mental auf die beste Serie der Welt einstellen soll. (2) Keine Fragen offenlassen: Auch wenn man noch nicht in Dallas war – jeder, der das Intro gesehen hat, hat das Gefühl, Dallas besser zu kennen als die eigene Heimatstadt. Diese Mischung aus Kuh, Betonklotz, Stahlkoloss und Ackerland ist also Dallas – aha. (3) Einführung aller Hauptcharaktere: Jeder Darsteller wird in einer kurzen Einblendung aus mehreren Perspektiven in einem 3-er Splitscreen vorgestellt. Der zentrale Schnipsel ist der, der für den Zuschauer gedacht ist: hier wird entweder sehr nah an die Person gezoomt oder die Person bereits in Nahaufnahme gezeigt. Jede Person bekommt unterschiedliche Einstellungen, was entweder als Stilbruch oder Geniestreich gewertet werden kann. Das ermöglicht auf jeden Fall neben der bloßen Vorstellung der Charaktere eine Einführung in deren Charakterzüge. Jeder weiß sofort, dass J.R Ewing Jr. ein Arschloch ist.  (4) Der passende Rahmen: den setzt der Soundtrack. Und der ist wirklich gut, weil ihn von der Omas bis zum Teenie ausnahmslos jeder nachsummen kann. Letztere wohl eher deswegen, weil so mancher DJ schon auf die Idee kam, das Dallas Theme mit einem elektronischen Beat zu untermalen. Summa summarum das beste klassische Intro. Andere Meinungen?

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