Oder: Was kann Schollis neues Plattenlabel wirklich?

Eigentlich ist ja bereits dieser Satz pure Blasphemie, bedenkt man, dass an diesem Projekt neben dem Ex-Fußballer auch noch wahre  Größen der Münchner Musikszene beteiligt sind. Ist der Scholl hier nur ein Zugpferd um dem Kinde einen bekannten Namen zu geben? Mutmaßungen über Mehmet… Auf jeden Fall stehen hinter dem neuen Projekt neben Mehmet Scholl auch noch Gerd Baumann und Till Hofmann und egal wie man das nun sehen und nennen mag: Mit Millaphon entsteht ein neues Plattenlabel in München, welches es sich zum Ziel gesetzt hat der schnelllebigen Musikindustrie die Stirn zu bieten und den Kampf anzusagen. Was bringen die drei Akteure nun mit? Baumann ist freier Komponist, Gitarrist und Produzent (mischte unter anderem in Rosenmüllers „Wer früher stirbt ist länger tot“ musikalisch mit). Hofmann, Inhaber einer Booking-Agentur steuert viel Know-how in puncto Vermarktung bei und Scholli hat nach eigenen Angaben sein Leben der Suche nach der perfekten Soundfolge gewidmet und gilt als außergewöhnlicher Musikkenner. Klingt vielversprechend! Bei Millaphon gilt daher Qualität statt Quantität und der maximale Spielraum für die Musiker. Die Frage ist nur: Wieviel Qualität braucht es wirklich, um den Unterschied zu machen? Aktuell sind (zumindest laut Website) zwei Bands beim Münchner Label unter Vertrag. Grund genug sich die beiden mal näher anzusehen.


CD-Cover "Deine Mutter"moop mama – was seid ihr?? Es gibt keinen Namen für das, was diese Band von sich gibt. Gerade wenn ich glaube eine richtige Schublade gefunden zu haben (Humpa-Ska, Folklore-Hip-Hop, alpine Marschmusik) kommt moop mama um die Ecke und überzeugt mich vom Gegenteil. Egal! Der rote Faden ist laut Statement einzig und allein die Band selbst und gute Musik braucht kein Label – kein Etikett. Ein hervorragendes Plattenlabel, das ihnen genügend Freiraum für ihren archaischen Ska-Hip-Hop-Blasmusik-Reggae gibt haben sie in Millaphon bereits gefunden. Dass das Konzept aufgeht zeigt das Album „Deine Mutter“ aus der Ton- und Soundmanufaktur von moop mama, das in ebendiesem erschienen ist. Großartige Entdeckung und umso großartigen weil sich nun auch jemand getraut hat sie der ganzen Welt zu zeigen. „Deine Mutter ist fett“  – mehr bleibt nicht zu sagen!

CD-Cover Keller Steff und Band "Narrisch"Keller Steff und Band. I glaub i werd narrisch! Seit Ende Juli gibts schon die zweite Platte der Band zu kaufen, die mit ihrer Musik (Bayern 2 nennet es glaube ich „alpenländisch“) momentan auf der Höhe der Zeit surfen. Ob der Steff das gerne hört bleibt dahingestellt. Zumindest betreibt er mit seiner Musik gewissenhaft moderne Heimatpflege. Eine ganze Generation traut sich plötzlich wieder zu bayrischer Musik abzugehen und Bands wie eben die Keller Steff Band oder La BrassBanda emanzipieren sich vom alpenländischem Gejodle aus der Schlagerparade. Das ist ernsthafte Musik und die gilt es zu beschützen – weil leider immer noch eine vom aussterben bedrohte Art. Im Millaphon Artenschutzgebiet hat der Keller Steff gute Wildtierhüter gefunden, die auf artgerechte Haltung und viel Auslauf achten.

Fehlt also nur noch ein Fazit, in dem steht, dass der Scholli und seine Kumpanen eigentlich alles richtig machen (gut, an der Aktualität der Website könnte man schon noch drehen). Dass zu gutem Marketing manchmal eben auch ein „Testimonial“-Konzept gehört weiß jeder, der schon mal und nur wegen George Clooney Kaffee oder wegen Claudia Schiffer Shampoo gekauft hat. Schließlich soll sich das Zeug ja auch mal verkaufen. Hier entsteht auf jeden Fall Musik mit Charakter und das ist was, was wir alle gut gebrauchen können. Weil ich es mir wert bin! ;)