Das Occam Deli, das ich euch heute vorstelle, möchte ein richtiges New Yorker Deli sein. Ich möchte eine Prinzessin sein. Und da wären wir auch schon beim Problem… Doch lasst mich mit meiner Bewertung von vorn beginnen.

Das Occam Deli hat seit kurzem seine Zelte im Herzen der Münchner Freiheit aufgeschlagen – wo viele Schwabinger vor kurzem noch im Café Wedekind ihre Nachmittage verbracht haben. Die Lage des Cafés ist wirklich perfekt: direkt am Wedekindplatz, wo Feilitzsch- und Occamstraße aufeinandertreffen. Mit seiner großzügigen Fensterfront und hellen Atmosphäre lädt es den ganzen Tag über zum Verweilen ein. Und auch Innen hält das Lokal, was es von Außen verspricht: Die Einrichtung ist lässig, die teilweise holzvertäfelten Wände wirken keine Spur trist und schwer und immer wieder finden sich mittendrin Regale mit allerlei delikatem Nippes wie Olivenöl, Wein oder Marmeladen. Gleich beim Eintreten begrüßt einen ein großer Holztisch mit vielen leckeren Kuchen und ein großzügiger, offener Ausschankbereich. Diese Großzügigkeit vermisst man im Gastraum leider etwas: Die Tische stehen ziemlich dicht aufeinander, so dass man schon mal auf Tuchfühlung mit seinen Sitznachbarn gehen muss.

Kuchenauswahl im Occam Deli an der Münchner Freiheit

Obwohl das Occam Deli über relativ viele Sitzplätze verfügt, ist spätestens beim Thema „Platzwahl“ keinerlei New Yorker Laissez-Faire mehr geboten. Kaum hat man sich ein Plätzchen gesucht und ergattert, wir man vom Personal drauf hingewiesen, dass man gerade diesen Platz eigentlich nicht besetzen kann. Das ist ein wenig anstregend und führt nicht gerade dazu, dass man sich willkommen fühlt.

Ein Blick auf die Speisekarte entschädigt diesen Eindruck. Hier ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei und das Angebot klingt ausgesprochen köstlich. Von Frühstück über Mittagessen und Kaffee und Kuchen bis zum Abendessen wird eigentlich für jede Tageszeit und jeden Hunger was geboten. Die Preise sind für Münchner Verhältnisse durchschnittlich, als besonders preiswert können wir das aber nicht mehr durchgehen lassen: Eine Schmorkürbissuppe mit Haselnuss-Dukka kostet z.B. 5,50 Euro. Auch das Rinderfilet mit Polenta und gebratenen Pilzen ist mit 14,50 Euro im akzeptablen Bereich. Das Occam Deli Sandwich mit Hähnchenbrust scheint mit seinen 9,50 Euro dahingegen etwas zu teuer geraten. Skeptisch macht allein der Blick auf die Abendkarte. Dort wird angekündigt, dass man von einem Gericht wahrscheinlich nicht satt wird. Ich hab es nicht probiert und kann dazu deshalb auch keine Aussage treffen. Wenn dem aber tatsächlich so ist, sprechen wir von einem absolut gehobenen Preisniveau, das zur Positionierung eines Delis nicht mehr so ganz passen mag.

Speisekarte Occam Deli

Das große Manko des Occam Deli ist der Service. Da passieren Dinge, die man von den anderen Restaurants der Betreiber, wie der Seerose oder dem Theresa nicht kennt. Dinge werden vergessen, falsch aufgeschrieben, gar nicht aufgeschrieben und auch nicht gebracht, etc. Die Kellner sind unaufmerksam und reagieren meist ziemlich fahrig auf Fragen oder (Gott bewahre) Bestellungen. Ich hoffe das lässt sich unter dem Punkt „Anlaufschwierigkeiten“ zusammenfassen.

Fazit: Das Occam Deli ist eine gelungene Neuerung im Viertel. Zur Positionierung als typisches Deli fehlt ein wenig die Gelassenheit im Service sowie ein angemessenes Preisniveau. Wir sind gespannt, wie es weitergeht!