Es war ein kalter,  diesiger Dezembermorgen, als wir Gini und Valentin kennenlernen. Gerade Valentin war noch ganz neu in der Stadt. Umso seltsamer, dass gerade die beiden uns (einer Gruppe von acht gestandenen und größtenteils  gebürtigen Münchnern) eine Stadtführung durch München geben wollten. HeyMinga heißen sie, sagt Gini gleich zu Beginn, als wir uns im Container Collective im Werksviertel treffen. Sie sagt auch, sie würden uns nun die versteckten Orte unserer Stadt zeigen. Die, an die man sonst eben selten hinkommt, die man nicht kennt und die in keinem Reiseführer stehen. Die Plätze, an denen das alternative München zuhause ist. Gleich würden wir Valentin abholen. Wir schauen uns an und nicken. Wir, Gini und Valentin also und der kalte Dezemberregen.

Eine alternative Stadtrundfahrt durch München

HeyMinga ist nach München gekommen, um das Prinzip der Stadtführungen zu revolutionieren. Nicht immer die gleichen ausgetrampelten Touristenpfade zeigen, mehr ins Stadtleben eintauchen. Die spannenden Spots und Geschichten entdecken. Herausstechen aus der Masse.

Zugegeben, wir sind etwas skeptisch. Gibt es wirklich diese Orte in München, die wir nicht kennen? Und schaffen es HeyMinga mit ihrem Konzept, endlich mit den Vorurteilen aufzuräumen? Ihr wisst schon: Dass München ungefähr so hip ist wie Hallenhalma. Subkultur? Fehlanzeige. München, die Stadt in der die fetten Jahre nie vorbei gehen, schwerfällig und wohl(an)ständig. Die Messlatte liegt hoch. Was macht HeyMinga also besonders?

1. Die Transportmittel

Lasst uns also nochmals über Valentin sprechen. An ihm kommen wir an diesem Tag eh nicht vorbei. Valentin ist ein VW T3 Caravelle aus dem Jahr 1983. 78 Pferdestärken – ein Prachtkerl und von den Jungs und Mädels von HeyMinga nochmals so richtig aufgemotzt, um seinen verdienten Lebensabend hier in München zu verbringen. Ledersitze, Minibar, Heizung. Er ist unser Transportmittel – ein Hop-on/Hop-off Bus der Extraklasse. Wir sind schockverliebt, als wir ihn zum ersten Mal sehen und haben, als Kinder der 80er, sofort die richtige Wellenlänge.

Valentin - T3 Caravelle von HeyMinga

Fahrt im HeyMinga Bulli

2. Die Guides

Das gleiche gilt für unseren Tourguide, Gini. Bei HeyMinga führen euch nicht irgendwelche uniformtragenden Waschlappen durch die Stadt. Die Guides sind super nett und mit Freude bei der Sache, kennen zudem ihre Stadt wie ihre Westentasche und wissen darüber hinaus auch mit einem Sack Flöhe wie uns umzugehen. Das macht Spaß.

HeyMinga Guide Gini

3. Die Touren

Die Stadtführungen bei HeyMinga sind mit viel Liebe zum Detail ausgewählt und folgen keinem starren Plan. Das bedeutet, dass die Guides nicht ein vorgeschriebenes Skript ablesen, sondern tagesaktuelle Infos einfließen lassen können. Wo entsteht gerade was? Wer steht hinter spannenden neuen Projekten in der Stadt? Bezeichnenderweise starten wir im Werksviertel, einem Gelände, auf dem sich gerade viel tut. Hier entsteht das neue Konzerthaus der Stadt. Gleich daneben, das Container Collective – ein Pop-up Areal gebaut aus Schiffscontainern, das von seinen Kuratoren laufend neu mit spannenden Concept-Stores bespielt und vom Godfather der deutschen Graffiti-Szene – Loomit – ständig neu besprüht wird. Wir erfahren viel über die Pläne, die der Investor mit dem Gelände hat, bevor wir endlich Valentin kennenlernen und mit ihm Richtung Haidhausen aufbrechen. Hier sehen wir nichts weniger als die „schönste Straße Münchens“ und sind überrascht von vielen Dingen an denen wir bisher ganz ignorant vorbeigelaufen sind. Wir fahren weiter, vorbei an Schauplätzen bekannter Filme und Serien, wie dem Pumuckl und machen Rast im Englischen Garten. Wir fahren über geheime Bunkeranlagen im Pinakothekenviertel und entdecken den geheimsten Kleingarten Münchens. Wir klettern über ein Meer aus leeren Graffitidosen und erfahren mehr über den Neubau des Volkstheaters auf dem Viehofgelände. München wirkt auf den ersten Blick so „fertig“, so lückenlos gebaut und aufpoliert. HeyMinga zeigen uns an diesem Vormittag die andere Seite unserer Stadt. Die Spots, die noch nicht fertig gedacht sind, die noch keinen Plan haben und die sich die Bürger dieser Stadt oft einfach mal zueigen gemacht haben. Orte, an denen sich kreatives Potenzial entfalten kann und Neues entsteht.

Teilnehmerin an der HeyMinga Stadtrundfahrt

Was bleibt?

Wir dachten, wir kennen München in- und auswendig. Doch wir wurden überrascht und inspiriert. Und: Wir hatten so viel Spaß! Wir haben uns mal wieder neu in unsere Stadt verliebt und uns bewusst gemacht, dass auch wir ein lebendiger Teil davon sind. Es liegt an jedem von uns, diese Stadt zu gestalten und zu einer Stadt zu machen in der wir gerne leben. Alternativ, Subkultur, sind nur Labels die wir nicht benötigen um zu experimentieren und öffentlichen Raum zu gestalten. Vielen Dank, Gini und Valentin, dass ihr uns diese Seite der Stadt gezeigt habt!

Zwischenstop mit Getränken aus der Bordbar

Insaßen im HeyMinga Bulli

Gruppenfoto mit Valentin