Ein italienisches Feinkost-Konzept in der Schrannenhalle?

München, wir müssen hier mal ein paar Vorurteile aus dem Weg räumen. Wir müssen über die Schrannenhalle – diesen so besonderen und schönen Ort, direkt neben dem Viktualienmarkt – sprechen, der zu München gehört wie die Frauenkirche und das Hofbräuhaus. Und wir müssen über den „Münchner Grant“ (bayrisch für „Unwille, Zorn, Umuth“) sprechen, der eben auch typisch für München ist. Was das miteinander zu tun hat? Um das zu verstehen, müssen wir einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Schrannenhalle wurde ursprünglich als Getreidemarktplatz errichtet, nachdem der Marienplatz für diesen Zweck zu klein wurde. Das war im Jahr 1851 und seitdem ist viel passiert. Was sich aber nie wirklich geändert hat, ist die Tatsache, dass wir Münchner an der Schrannenhalle schon immer was zu meckern hatten – das ist der angesprochene Grant. Als Getreidemarkt wurde die große Entfernung zum Hauptbahnhof bemängelt, weshalb der Getreidehandel dann auch irgendwann in die wesentlich günstiger gelegene Großmarkthalle verlagert und die Halle am Viktualienmarkt abgebaut wurde.

Nachdem die Halle wiederentdeckt und 2005 nach vielen vielen Jahren am heutigen Standort an der Blumenstraße wieder aufgebaut wurde, war sie erneut das Objekt des Münchner Grantlers. Egal, welchem Konzept sich die jeweiligen Pächter der Schranne verschreiben: wir Münchner sind einfach nicht zufrieden damit. Zu groß, zu teuer und überhaupt… Man kann schon fast von einem Stigma sprechen, das diese schöne Halle mitten in München innehat. Und auch der aktuelle Betreiber – die italientische Feinkost-Kette Eataly – hat damit zu kämpfen. Italien im Herzen Münchens? Ja mi hast ghaut. Und genau deshalb müssen wir heute mal ein paar Vorurteile aufräumen. Wir haben uns dafür zu einem kleinen Rundgang im Eataly verabredet.

Was ist das Eataly überhaupt?

Das Eataly ist nicht nur ein italienischer Feinkost-Supermarkt. Wir haben lange nach einem besseren Begriff gesucht, aber irgendwie ist es schwer, dieses Konzept in Worte zu fassen. „Experience Food Concept“ könnte man es vielleicht nennen (sorry, Branchenkrankheit). Das Eataly Konzept, das es im übrigen nicht nur in der Schrannenhalle in München, sondern weltweit gibt, besteht aus Restaurants & Bars, Shops und Kochschulen und trägt italienisches Lebensgefühl in die Welt. Jeder Eataly-Store ist in einem historischen Gebäude verortet und bietet auf einer großen Fläche ein vollumfängliches Italien-Erlebnis. Dahinter steht durchaus auch ein edukativer Gedanke. In den Restaurants und Bars genießen die Gäste hochwertige italienische Gerichte, die allesamt mit ausgewählten Zutaten aus der anschließenden Feinkost-Ladenfläche zubereitet werden. So können Gäste die Speisen zuhause selbst kochen. Wer noch ein wenig mehr Anleitung benötigt, besucht einen der täglich stattfindenden Kochkurse zu unterschiedlichen Themen und erfährt dabei mehr über die Zubereitung seiner Lieblingsspeisen. Aus einem Guss, 360° – egal wie man das nun nennen mag – das Konzept ist stimmig.

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Was ist das Besondere am Etalay?

Das Eataly verfügt, im Gegensatz zu vielen italienischen Feinkostläden, nicht über eine beliebig zusammengewürfelte Auswahl an Produkten. Jedes einzelne Produkt ist mit viel Sorgfalt ausgewählt. Es werden (bis auf den Mozzarella, der aus Gründen der Frische aus Bayern kommt) nur hochwertige italienische Lebensmittel angeboten. Das Sortiment ist sehr vielfältig und umfasst sowohl teure Produkte als auch günstige Alternativen. Dass im Eataly alles einfach nur überteuert ist, können wir nicht unterschreiben. Was uns im Shop am meisten überzeugt hat ist die Sorgfalt, mit der die Lebensmittel ausgewählt und angeboten werden. Das ist wirklich „Best of Italy“.

La Famiglia

Was uns daneben wohl am meisten überrascht hat, ist die herzliche, familiäre Atmosphäre im Eataly. Während unseres Rundgangs mit Andrea – dem Leiter der Kochschule – kommen permanent Menschen bei uns vorbei, grüßen oder bleiben für einen kurzen Plausch stehen. Es ist tatsächlich so als würden wir durch ein süditalienisches Städchen schlendern. Egal ob an der Espressobar oder am Brotstand: überall werden wir begrüßt, herbeigerufen und MÜSSEN UNBEDINGT probieren.

Verköstigung von Focaccia

Mein Lieblingsbild. Andrea schaut ganz irritiert. Ja, ich kann wirklich so viel essen :)

Barista im Eataly München

Authentisches Italien-Erlebnis

Alle Mitarbeiter sind mit so viel Herzblut bei der Sache, dass uns wiederum ganz warm ums Herz wird. Das ist zum Beispiel Omar – der Barista an der Eataly Kaffeebar. Hat in seinem Leben schon über eine Million Espressos gemacht und erklärt uns nochmals ganz genau, was einen guten Espresso so ausmacht. Da ist er bei uns natürlich an der absolut richtigen Stelle und natürlich MÜSSEN wir auch hier probieren – al banco versteht sich. Die Eataly Belegschaft in der Schrannenhalle ist wirklich eine große Familie. Das spürt man als Gast und Kunde sofort. Dass ein Großteil der Mitarbeiter auch aus Italien stammt, verstärkt zum einen das Italien-Feeling, macht den Besuch aber vor allem eines: authentisch. Und damit wären wir nun auch beim größten Vorurteil angekommen, das wir bisher immer über das Eataly hörten. Es sei nicht authentisch. Nun, genau das Gegenteil ist der Fall. Es gibt nur wenige Orte in München, an denen das Verkaufspersonal jede Nudel mit Vornamen kennt und das Konzept so authentisch lebt wie im Eataly.

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