Die Frage, wieviel, wo und aus welchen Gründen ich Dinge kaufe, beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Dabei habe ich ein recht durchschnittliches Konsumverhalten. Und genau das ist der Punkt. Was gesellschaftlich längst als normal bewertet wird, ist mit ein wenig Abstand betrachtet ganz schön überzogen. Über viele Jahre haben sich Kauf-Routinen etabliert, selten hinterfragt und deshalb erschreckend gefestigt. Klar, zuerst hat man quasi kein Geld für nichts, spart um sich das eine oder andere lang ersehnte Teil zu kaufen. Dann kommt das erste richtige Gehalt, ich beginne mir Dinge zu leisten, mich zu belohnen. Und so etablieren sich nach und nach Muster. Sie betten sich ganz leise in den Alltag ein. Sie zu hinterfragen ist leicht, sie zu ändern gar nicht mal so.

Gleichzeitig bemerke ich, dass mich mein Konsumverhalten immer mehr stört. Dass ich genervt bin von den Dingen, die größtenteils unbeachtet in irgendwelchen Schränken liegen. Ich bemerke auch, wie wenige Dinge ich eigentlich wirklich brauche – ganz banal im Alltag aber auch allgemein zum Glücklichsein.

Am Wochenende habe ich nun endlich mit eiserner Hand meinen Kleiderschrank ausgemistet. Alles was mir nicht mehr gefällt, schon länger als ein Jahr nicht mehr getragen wurde oder schlichtweg nicht mehr passt, wurde aussortiert. Einen Teil versuche ich auf dem Flohmarkt loszuwerden, der andere wandert in die Altkleidersammlung. Der Blick in meinen Kleiderschrank danach ist unbezahlbar. Das ist einer der Gründe, weshalb ich mir neue „Konsum-Regeln“ setzen möchte.

Saying goodbye to old habits

Der andere Grund...

Samstag Nachmittag 14 Uhr. Ich betrete den Store einer großen Modekette an der Leopoldstraße. Und nein, es geht hier nicht um den einen Laden an einer bestimmten Straße. Dieser Store könnte genauso in Köln, Berlin oder Hamburg sein. Ich wühle mich durch eine unbegreifliche Vielzahl von möglichen Kleidungsstücken. Mal ehrlich: War das schon immer so? Gab es schon immer eine solch große Auswahl?

In der Umkleidekabine höre ich einige Gespräche mit an: Wieso drei Paar Hosen eigentlich schon reichen, der Kauf eines vierten Paares jedoch dennoch Sinn macht. Und das Top, die Bluse, das Kleid… („Kostet ja nicht viel“ ist übrigens eines der meistgebrauchten Argumente). Ich sehe die Menschen mit großen Augen und Bergen von Klamotten zur Kasse gehen und erkenne: Wir kaufen meist, weil die Dinge dank Online-Shopping immer verfügbar und dazu auch noch so unfassbar günstig sind, dass keine zweiten Gedanken aufkommen. Unser Gehirn ist darauf programmiert, neue Dinge zu lieben. „Uns geht es allen viel zu gut“ – könnte man jetzt als Ausrede dafür nennen. Unser Konsumverhalten ist völlig aus den Bahnen geraten – sage ich. Wir konsumieren blind und gedankenlos. Wir kaufen nicht mehr, weil wir Dinge brauchen, sondern um uns zu belohnen. Und manchmal, da wachen wir in der Früh auf und unser erster Gedanke ist die Frage, was wir uns heute kaufen könnten.

Wir hinterfragen nicht, wieso Dinge so günstig sind. Wir wissen schon irgendwie, dass die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern schlechter sind. Aber hej – wir kaufen ja schließlich nicht bei Primark ein. Und überhaupt – was sonst soll man denn mit dem Geld machen bei der Zinslage. Damit ist das schlechte Gewissen beruhigt. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Mir wird schlecht von diesem unfassbaren Überfluss für den ich keine Worte finde.

Auch ich besitze (zu) viele Dinge, die ich kaum benutze. Auch ich habe schon so oft gedankenlos gekauft. Uns geht es so gut, wir können uns viele schöne Dinge leisten. Aber das heißt nicht, dass wir das auch permanent tun müssen. So jedenfalls möchte ich das nicht mehr. Denn ich solchen Situationen wird mir bewusst, wie absurd unser Konsumverhalten geworden ist und dass ich daran keinen Anteil haben möchte. Deshalb habe ich mir die folgenden drei Grundregeln definiert. 

Drei goldene Konsum-Regeln

WENIGER KAUFEN
Ich versuche weniger und überlegter zu kaufen. In den letzten Monaten haben wir zudem sehr viel verkauft und verschenkt. Und mit jedem Teil das ich los wurde, fühlte ich mich besser.

ERSETZEN STATT ERGÄNZEN
Für jedes Ding das ich kaufe, muss ein anderes weichen. Das klappt nicht immer zu 100% ist aber eine gute Grundregeln. Vor allem bei Kleidung, Kinderspielzeug usw klappt das sehr gut.

SECONDHAND KAUFEN
Ich kaufe zum ersten mal in meinem Leben richtig viele Dinge secondhand und habe mich seitdem oft gefragt, wann genau es eigentlich zu einem Makel wurde, gebrauchte Dinge zu kaufen? Ich bin 31 Jahre als und habe 31 Jahre ausschließlich neue Sachen gekauft. Das ist absurd.

Habt auch ihr Konsumregeln? Hinterlasst mir einen Kommentar!