Nudeln auf Holzbrett

Foodies dokumentieren ihre Welt: Sieben lesenswerte Foodblogs

Foodblogs sind Blogs in denen Leute über Essen sprechen. Sie erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei einer weltweiten Leserschaft. Bekannt wurden Foodblogs auch durch den Film Julie & Julia, der vom Bloggingprojekt (The Julie/Julia Project) der Amerikanerin Julie Powell berichtet. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes einzelne Rezept aus „Mastering the Art of French Cooking“ von Julia Child nachzukochen – und sie hat darüber geschrieben. Viele Foodblogs haben eine treue und interessierte Fangemeinde. Doch wieso interessiert es uns so, wenn Menschen über Essen schreiben? Warhscheinlich, weil das Thema Essen und Nahrung in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird. In einer Welt, die von Gammelfleisch und Dioxin-Skandalen gebeutelt ist, suchen wir die Sicherheit der Großmütterlichen Küche. Gutes Essen rückt immer stärker in den Fokus. Essen ist dabei schon lange nicht mehr nur bloßes Mittel zum Zweck: wir definieren uns über das was wir essen – es ist Teil unseres Lebensstandards geworden.

Du bist was du isst!

Diesen Satz haben sich Foodies ganz besonders zu Eigen gemacht. Foodies sind Leute, in deren Leben sich Vieles um gutes Essen dreht. Dabei geht es ihnen im Gegensatz zum „Gourmet“ nicht darum, möglichst teure oder ausgezeichnete Küche zu genießen. Es geht eher um ein möglichst intensives, echtes Geschmackserlebnis. Das Ziel ist es, Besonderes zu essen und eine Esskultur zu etablieren. Begleitet wird das oft von einer gewissen „Back to the roots“-Philosophie. Weg mit industriell gefertigen Massenprodukten aus der Kühltheke, hin zu Großmutters Rezepten und Lebensmittel vom Biobauern – und das darf gerne ein wenig mehr kosten. Organic food spielt für viele Foodies eine wichtige Rolle. Foodies reisen um die ganze Welt, um kulinarische Köstlichkeiten zu genießen – und sie schreiben darüber. Im Folgenden findet ihr einige lesenswerte nationale und internationale Foodblogs und ihre Autoren.

Delicious Days

Foodblog Delicious DaysDelicious Days heißt der Blog von Nicole Stich – einer in München lebenden Bloggering, Autorin von Kochbüchern und passionierten Hobbyköchin. Worum geht es also in diesem Blog, der durch das tolle Webdesign von Beginn an Spaß macht? Es geht um allerlei Köstlichkeiten: Kochbuch-Kritiken, Essen, Design, Rezepte, (kulinarische) Reiseerlebnisse und die Stadt in der sich vieles davon abspielt: München. Interessante Artikel und tolle Fotografien machen diesen Blog lesenswert! Und wenn man den vielen Kommentaren glauben kann, sieht das nicht nur gut aus, sondern entpuppt sich auch beim Nachkochen als truly delicious! Rezepte wie „Homemade Cappelletti with ricotta & pine nuts“ lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen und geben auch dem schlechtesten Koch unter uns das Gefühl, dass alles möglich ist ;) Inspirierend und dabei unglaublich sympathisch! Absolut empfehlenswert.

.

 

NutriCulinary

NutriCulinary BlogGutes Essen & große Küche verspricht dieser Blog des Hamburgers Stevan Paul. Er ist im Gegensatz zu vielen anderen Foodbloggern gelernter Koch – und arbeitet heute als Foodstylist und Autor für verschiedene Medien und Formate. Der Mann muss also wissen, was er da tut.

Unter dem Pseudonym „Herr Paulsen“ bloggt er über Essen, Trinken, die Gastro-Branche und viele andere Themen. Vielleicht ist es nur meine Vorliebe für gestrichelte Linien, die mir NutriCulinary optisch ebenfalls sehr gelungen erscheinen lässt. Thematisch ist das Ganze auf den ersten Blick zwar ein größeres Durcheinander als bei manch anderem Themen-Blogs, doch das stört eigentlich nicht, da fast alles Artikel wirklich lesenswert sind. Und dabei sind sie vor allem eines: so normal („Ja, ich habe Gammelfleisch gekauft“). Durch seine langjährige Erfahrung in der Branche gewährt Herr Paulsen einen interessanten Blick hinter die Kulissen und zeigt uns, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird und noch kein Küchenmeister vom Himmel gefallen ist.

 

 Wednesdaychef

The Wednesday ChefEbenfalls ein Blog aus Deutschland ist Wednesdaychef. Dieser Blog der Berlinerin Luisa Weiss gestaltet sich schon wieder sehr viel übersichtlicher. Es geht um Essen und wie man es macht. Ihr wolltet schon immer mal Bagels selber machen? Dann seid ihr hier genau richtig. Ein Blog von Hobbykoch zu Hobbykoch. Und jedes Rezept ist verbunden mit einer wunderbaren Geschichte. Essen und Geschichten erzählen, das gehört eh zusammen – seit jeher. Beides hilft uns, uns an bestimmte Begegnungen und Erlebnisse zu erinnern. Beides stiftet Kultur und lässt uns Teil einer Gemeinschaft werden. (Aus welchem Grund essen Menschen aus Westfalen sonst gerne Grünkohl mit Mett?) Zurück zum Thema: Das verwendete Blogging-Template gibt leider nicht so viel her, so dass die Navigation durch die einzelnen Artikel ein wenig erschwert wird. Der Recipe-Index hilft zwar dabei Rezepte wieder zu finden, doch leider ist auch er relativ groß und unübersichtlich . Da hilft nur eins: Dabei bleiben und die Rezepte ausprobieren, bevor sie in den Untiefen des Archivs verschwinden.

 

 

Smittenkitchen

Smittenkitchen Blog„Furchtloses Kochen aus einer winzigen Küche in New York“ wird dem Nutzer auf diesem Foodblog versprochen. Furchtlos muss man auch sein, wenn man wie Deb und Alex Perelman in einer 4qm Küche kochen möchte. Und hier findet sich auch schon der erste richtige Mehrwert für alle von Platznot geplagten Großstädter: Five ways to max out your tiny kitchen. Neben solch nützlichen Tipps gibt es dann auch noch tolle Fotos, schöne Geschichten und spannende Rezepte. Aufbereitet alles in einem sehr schlichten, leichten und aufgeräumten Blogging-Template in schönem Design. Eine zusätzliche Navigation erfolgt auch über schöne Bildteaser in der linken Marginalspalte. So sollte ein Foodblog sein: Kompetent, persönlich und authentisch. Wirklich sehr gelungen.

 

 

 

Chocolate & Zucchini

Foodblog Chocolat & ZucchiniChocolate & Zucchini ist der Blog der Pariserin Clotilde Dusoulier. In diesem Blog dreht sich wie immer alles um das Thema Essen. So finden sich hier Rezepte, Kochbuch-Kritiken, Restaurant-Erfahrungen, und vieles mehr. Auch dieser Blog lässt wenig Platz für das Wesentliche. Zwei Marginalspalten werden um eine zusätzliche Randspalte für Google Ads ergänzt. Das lässt wenig Platz für die tatsächlichen Blogposts. Ein schönes Zusatzgadget bieten die ergänzenden Tools wie das Lebensmittel-Glossar oder Informationen zu Pariser Wochenmärkten. Ebenfalls empfehlenswert.

.

 

 

 

 

101 Cookbooks

101cookbooks.com2003 war es so weit: Heidi Swandon entschied bei einem Blick in ihr Bücherregal, dass über 100 Kochbücher genug sind und sie nun endlich anfangen sollte auch mal neue Rezepte darauf auszuprobieren anstatt jeden Tag dasselbe zu kochen. Der mehrfach ausgezeichnete Foodblog 101cookbooks war geboren.  Darin schreibt die Bloggerin aus San Francisco über Rezepte: aus Kochbüchern, von Freunden, aus dem In- und Ausland. Alle Rezepte können im Recipe-Archive nachgelesen werden. Der Blog ist leider etwas unübersichtlich: 2 Marginalspalten mit weiteren Informationen, Werbung und Kategorien zur Navigation in die Seite sind auf den ersten Blick zu viel! In der Mitte ein kleiner 2-spaltiger Inhaltsbereich, in dem die Posts sehr eng aufeinander stehen. Für die große Community, die um diesen Blog entstanden ist gibt es nun auch die kleine Schwester von 101cookbooks: http://library.101cookbooks.com/ eine Plattform zum Austausch und Diskussion über aktuelle Themen auf der Seite.

 

Tea & Cookies

Tea and Cookies BlogTea & Cookies ist der vielfach ausgezeichnete Blog von Tara Austen Weaver. Und dabei hat diese Blog eine Menge mehr zu bieten als es der Titel zuerst glauben macht. Worum es in den wirklich gut geschriebenen Geschichten geht? Die Autorin hat es so formuliert:  “It’s about gathering people together for meals; traveling near and far; good reads, gardens, growth, & following your passions to see where they lead.” Ein gut sortiertes Archiv, eine Suchfunktion und ein übersichtliches Design bereiten darüber hinaus viel Lesefreude! Gelungener Blog!

 

So unterschiedlich die einzelnen Blogs auch sein mögen – erstaunlich ist, dass es mittlerweile bereits gewisse Standards im Foodblogging gibt – solltet ihr also vorhaben selbst einen Foodblog zu eröffnen, schaut euch ruhig mal andere Blogs an. Nur von einem solltet ihr euch nicht inspirieren lassen: dem oftmals unübersichtlichen Design und der chaotischen Aufbereitung der Inhalte. Das scheint nämlich leider auch Standard zu sein bei Foodblogs.