Patti Smith

Die Autobiografie von Patti Smith

Are they artist? No, they are just kids.

Höhen, hoch wie nie, Tiefen, tief wie selten. Patti Smith hatte beides und wahrscheinlich auch so ziemlich alles dazwischen. Sie ist für mich eine der wundervollsten und inpirierendsten Frauen der Gegenwart. Ihre Biografie Just Kids ist eine Pflichtlekture und gehört in meine absolute Top-10 Liste „Bücher, die man gelesen haben muss“. Patti Smith erzählt darin die Geschichte Ihres Lebens und ihres künstlerischen Werdens. Die Geschichte der vielen Hochs und Tiefs und, und das vor allem: Die Geschichte einer großen Freundschaft, der zwischen Patti Smith und Robert Mapplethorpe. Diese Freundschaft ist deshalb so groß, weil sie so viel ausgehalten hat und trotzdem nicht zerbrochen ist. Ob die beteiligten Personen an ihr zerbrochen sind, steht auf einem anderen Blatt.

Die Geschichte dieser Freundschaft ist auch zugleich die Geschichte der Entwicklung zweier Künstlerpersönlichkeiten, die ohne einander vielleicht nie so entstanden wären. Das ständige Austesten der eigenen Grenzen aber auch der Grenzen des anderen ist ein Motiv, das das gesamte Buch begleitet. Als Leser hatte ich oft den Eindruck, dass es meist Robert war, der diese Grenzen immer neu setzte und dass Patti Smith der Dynamik dieser Beziehung und auch dem Takt, den Robert vorgab nicht immer gewachsen war. Auch ihre eigene künstlerische Karriere scheint erst dann zu starten als sich die sehr engen Bande zwischen Patti und Robert zum ersten mal auflösen.

Und dann ist diese Geschichte natürlich auch die Geschichte einer großen Liebe. Einer Liebe, die sich im Laufe vieler Jahre immer wieder gewandelt hat, auch, weil sie sich wandeln musste.

“I don’t fuck much with the past but I fuck plenty with the future.”

Ich glaube das Bewunderswerte an Patti Smith ist Ihre innere Antriebsstärke, die Art, wie sie die Dinge sieht, ihr Blick auf die Welt. Alle Ereignisse in ihrem Leben scheinen von Ihr auszugehen – die guten wie auch die schlechten. Kein Fehler, kein Scheitern, dass sie „den Umständen“ oder „den Anderen“ zuschreibt. Das ist für mich die bemerkenswerte Quintessenz des Buches: Jeder ist für sich und sein Glück selbst verantwortlich. Jede Windung ihres Lebens bewertet Sie als gut, weil sie war, wie sie nun mal war. Konkurrenz ist für Patti Smith etwas großartiges, weil es eine Chance ist besser zu werden. Neid schlägt bei ihr in Bewunderung um und Konkurrenten werden zu Idolen von denen man lernen kann. Das ist das fantastische an diesem Buch: es zwingt uns als Leser unser Handeln zu reflektieren.

Es gibt noch so viel mehr über dieses Buch zu erzählen: Spannende Nebenhandlungen wie das Leben im Chelsea Hotel, interessante Perspektiven auf Künstler, die das Leben von Patti Smith flankieren wie Allen Ginsberg oder Janis Joplin. Dieses Buch ist ein Schatzkästchen gefüllt mit Erinnerungen, Erzählungen und viel Inspiration das ist euch wärmstens empfehlen kann!